Best of Spiegel-Archiv

Gepostet vor 9 Jahren, 6 Monaten in #Misc #Media #Retro #Vintage

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Der Spiegel hat sein komplettes Archiv online gestellt, das aber erst in Philipps Minimal-Design-Suchmaschine (via) so richtig Spaß macht. Die sieht mir zwar noch nicht so ganz wackelfest aus, ist aber im Gegensatz zur Spiegel-Suche immerhin benutzbar. Und ich hab' da mal ein paar Sachen rausgesucht: Best of Spiegel-Archiv inspired by Kottke. Wenn man diese Artikel liest, versetzt es einen wirklich in andere Zeiten. Die perfekte Sonntagslektüre über die Beatles, Elvis, UFOs, die Mondlandung, Porno-Games, echte Werwölfe (!) und noch einiges mehr.

Zum Tod Elvis Presleys: Nachruf Elvis (1977)

Er ließ seine weitgespreizten Beine schlottern und zuckte kaum merklich mit dem rechten Knie. Es war eine Art Mischung von rasantem Schlurfen und Charleston-Geschlenker. Er grinste höhnisch, senkte seine Augenlider, lächelte aus dem linken Mundwinkel und zuckte mit den Hüften. So etwas hatte das amerikanische Fernsehpublikum noch nie gesehen; und Elvis bot es ... im Fernsehen ... von Küste zu Küste."

 

Hello, Goodbye - Schriftsteller Wolf Wondratschek zum Tod von John Lennon (1980)

Die Frage war immer: Treten die Beatles noch einmal zusammen auf? Jetzt haben wir die Antwort: Nein, niemals -- nevermore. John Lennon ist tot. Irgendein gottverdammtes Arschloch hat ihn umgelegt. Das Motiv? Warum ein Motiv? Man steht eines schönen Tages auf, kauft sich an der nächsten Ecke 'ne Knarre und ballert das Magazin leer. Es ist in New York mittlerweile sogar modern, auf einen Fluchtversuch zu pfeifen. Man läßt sich festnehmen, gesteht die Tat und lacht dabei den Pressephotographen so seelenruhig ins Blitzlicht, als handle es sich um ein Debüt im Showgeschäft -- auch Mord ist dort nur Illusion.

 

Über die Trennung der Beatles: Let it be (1971)

Unter der Datumszelle der Heiligen Nacht 1970 verkündete das amerikanische Popmusik-Magazin "Rolling Stone" frohe Botschaft für Beatles-Fans: Das verzankte Quartett, hieß es, werde sich im neuen Jahr endlich wieder zu Gesprächen treffen.

Es wird sich wohl treffen -- vor Gericht. Zweitjüngst-Beatle Paul McCartney, 28, reichte am letzten Tag des Jahres 1970 beim Londoner High Court die Scheidung von seinen Sangesbrüdern George Harrison, 27, Ringo Starr, 30, und John Winston Lennon, 30, ein.

Beatle Paul, der schon vor drei Jahren jammerte, er könne sich nicht mehr so recht als Beatle fühlen, will die Trennung von Konto und Bühne.

 

Zum Tode Kurt Cobains: Wut und Talent (1994)

Kurt Cobains Tod war echt, aber Kritiker betrachten den Selbstmord, als wäre er bloß ein schlecht inszeniertes Horrorvideo.

Mit einer Schrotflinte hatte sich der Musiker in den Mund geschossen, das Gesicht so entstellt, daß er anhand der Fingerabdrücke identifiziert werden mußte, und alles, was den Schreibern des deutschen Feuilletons einfiel, war, seinen Tod als miese Kopie zu nehmen.

Cobains Starexistenz sei "nur ein Abziehbild aus dem Ramschladen der Pop-Mythen", höhnte die Süddeutsche Zeitung, "Teebeutel im siebten Aufguß", beschwerte sich die Frankfurter Allgemeine, und der Stern, sonst eher für Gespräche mit Phil Collins zuständig, wertete den Tod des Rockstars als hoffnungslos altmodisch, "ein verstaubter Mythos aus den siebziger Jahren".

Dabei war es nicht das Verschwinden der Wirklichkeit, sondern deren Rückkehr, die Grunge-Rock zum weltweiten Erfolg und Cobains Band Nirvana zu 15 Millionen verkauften Platten verholfen hat.

 

Das „neue“ Phänomen Science-Fiction: Wer den Mond beherrscht (1950)

Die Eintönigkeit der Happy-End-Filme sei schuld, daß die Amerikaner ihre Kinos in immer größerem Maße meiden. Dieser Ueberlegung amerikanischer Filmproduzenten verdankt ein neuer Produktionszweig seine Entstehung: "Science-Fiction-Films", das heißt: "Wissenschaftlicher Phantasiefilm".

Fast alle großen und manche kleinen Filmgesellschaften haben Fachleute für Physik. Astronomie und Ballistik angeheuert. Sie sollen den Drehbuchautoren Ideen geben, gleichzeitig aber auch deren Phantasie bremsen und richtig lenken. Jules Verne und H. G. Wells stehen auf der ganzen Linie Pate.

Der erste Film aus dem Bereich der wissenschaftlichen Phantasie hat den Broadway jetzt erreicht: "Destination Moon" (Ziel Mond), von Eagle Lion Films ohne weibliche Hauptdarsteller hergestellt. Die Produzenten erklären, es handele sich keineswegs um zügellose Phantasie. Ein Flug zum Mond sei noch zu unseren Lebzeiten eine reale Möglichkeit. Bei militärischen Versuchen in White Sands, New Mexico, habe man Raketen schon 120 Kilometer hoch geschossen.

 

Über die Horrorfilm-Welle in den 50ern: Die Monstersinger (1959)

Denn die Blutsauger und Wolfsmenschen, die von panischen Produzenten aus der Gruselgruft des Kintopps exhumiert und wiederbelebt wurden, sind von den Filmverleihern als letztes Aufgebot der Flimmer-Industrie gegen den wandernden Wald der Fernseh-Antennen vorgeschickt worden. Oder, wie es die Film-Reklame annonciert: "Frankenstein kommt zurück und verbreitet neuen Schrecken!"

In der Tat ist der Horrorfilm seit Beginn der Fernsehwelle die erste und einzige Filmkategorie mit wachsenden Produktionszahlen. 75 Schauerstücke wurden im Laufe des Jahres 1958 allein in Hollywood fabriziert, gegenüber 52 im Jahr zuvor. Britische und französische Studios sind mit einem Dutzend Gänsehäutern in die Katakomben-Konjunktur eingestiegen, und allein der kleine deutsche Lehmacher-Verleih offeriert den besorgten Kinobesitzern für die gegenwärtige Saison sechs "Grusel-Thriller", darunter "Macabre", "Die Hexenküche des Dr. Rambow" ("Wahnsinniger Forscher experimentiert und mordet") und "Dr. Jenkins unheimliche Nächte" (Original-Titel "Neanderthal Man", eine neue Version des klassischen Nervenzerrers "Dr. Jekyll und Mr. Hyde").

 

Zur Mondlandung: Welt des Absurden (1969)

Fiebernd vor Neugierde erwarteten die Daheimgebliebenen, was die Astronauten Neu A. Armstrong, Edwin Ah drin und Michael Collins zu berichten, was sie an Souvenirs, Schmalfilmen und Schnappschüssen zu bieten hatten. Während ein halbes Hundert Wissenschaftler und 300 keimfrei aufgezogene Mäuse sich mit Mondstaub und -gestein vertraut machten, wurden in einem benachbarten Labor der Quarantäne-Station Houston die beiden Sternenbanner für den US-Kongreß in Washington und die 70 Wimpel der Unesco-Nationen desinfiziert, die künftig überall auf der Erde als Mitbringsel vom Mond Ehre einlegen sollen.

 

Über das nichtvorhandene Leben auf dem Mond (!): Zu öden Welten (1958)

Denn niemals erblickten die Mondbeobachter unabhängig voneinander die Erscheinungen, die auf der Mondoberfläche auftreten müßten, wenn dort Wasser und Luft, die Grundlagen allen Lebens, vorhanden wären. Weder waren auf der Oberfläche der Mond-"Meere" die Reflexe zu sehen, die durch Spiegelung des Sonnenlichts schon auf jeder Pfütze sichtbar werden, noch zogen Wolkenbänke über die Mondlandschaft und verdeckten den Blick auf die riesigen Rundgebirge. Tiefschwarz und kalt zeichneten sich die Schatten der Kraterwände und der bizarren Bergspitzen im gleißenden Licht der Sonne auf dem Mondboden ab; derartige krasse Grenzen zwischen Licht und Schatten können aber nur dort entstehen, wo die lichtstreuende Wirkung einer Lufthülle fehlt.

Noch eine weitere Beobachtung bewies unwiderlegbar, daß der Mond keine nennenswerte Atmosphäre* besitzt: Wenn der Mond vor dem Sternenhimmel vorbeizieht, verschwinden die punktförmigen Fixsterne derart abrupt hinter dem Rand des Erdtrabanten, daß die Beobachter immer aufs neue verblüfft sind.

 

Über Außerirdische: Die Untertassen-Saga (1952)

Hinter einer Bleiwand strengster Geheimhaltung hat die US - Luftwaffe ihre Beobachtungen und Untersuchungen intensiv fortgesetzt. Die Ergebnisse wurden dann von hervorragenden Wissenschaftlern ausgewertet.

In fast fünf Jahren sind namhafte Wissenschaftler und Fachleute des Air Materiel Command aus tiefer Skepsis heraus zu der Ueberzeugung gekommen,

- daß es die "Fliegenden Untertassen" wirklich gibt,

- daß sie nicht von der Erde stammen können.

Die höchstautorisierten Sprecher der US-Luftwaffe - befragt, ob sie an die Untertassen glauben - erklären verlegen: "Es gibt keinen Zweifel an den Beobachtungstatsachen, aber die Luftwaffe glaubt trotzdem noch nicht an die Fliegenden Untertassen." Alle einsehbaren Erklärungsmöglichkeiten sind erwogen worden, keine hat ausgereicht. Die von nüchternen Wissenschaftlern wie dem deutschen Raketenexperten Dr. Riedel angedeutete Auffassung, es könne sich um Besucher aus dem Weltraum handeln, klingt zu phantastisch, um von nüchternen Offizieren und Regierungsbeamten hingenommen zu werden.

Das widerspruchsvolle Verhalten der US-Luftwaffe zu den "Fliegenden Untertassen" und die Einzelheiten, die über ihre Untersuchungen in den letzten Jahren durch die Geheimhaltung gesickert sind, wirken spannend wie eine pseudowissenschaftliche Weltraum-Abenteuerschwarte. Doch dahinter könnte sich die gewaltigste Neuigkeit des Jahrhunderts verbergen.

 

Über einen Werwolf (!): Ein ganz raffinierter Hund (1948)

Gefunden wird nichts. Erst ein paar Stunden später, als alle nach Hause gefahren sind, taucht der Ueberhund wieder auf: Bei Rethem an der Aller reißt er ein Rind.

Die Leute um das Lichtenmoor sind etwas verbiestert, weil das Tier immer noch nicht gefangen ist. Ein Landmann vermutet, es sei möglicherweise eine Art Werwolf. "Well, dann wird er entnazifiziert", sagt Major Mitchel ganz fest entschlossen.

Manche erinnern sich daran, daß vor einigen Jahren ein Mensch durch die Gegend schlich und aus lauter Sadismus Rindvieh riß. Eine Männerhand habe ungefähr die Größe der mysteriösen Fährte. Das Vieh würde außerdem zusammengestanden und gebrüllt haben, wenn es ein Raubtier gewittert hätte. Nur einen Menschen lasse das Vieh so arglos an sich heran.

 

Über den Tod von Hacker Karl Koch (verfilmt in „23“): "Alle großen Anarchisten starben am 23." (1989)

Er nannte sich "Hagbard Celine" nach der Hauptfigur eines Sciencefiction-Schmökers. In der Trilogie "Illuminatus!" kämpft der geniale Held gegen einen mächtigen Geheimbund, der die Welt beherrscht und einen Atomkrieg anzetteln will. Hagbard bleibt Sieger.

Im wirklichen Leben hieß er Karl Koch und war ein ewiger Verlierer: aus zerrüttetem Elternhaus und früh Waise geworden, Schulabbrecher und drogensüchtiger Computerfreak, der für sein Hobby, weltweit durch Datennetze zu wandern, in anderthalb Jahren sein 100 000-Mark-Erbe durchbrachte.

Im März wurde bekannt, daß Koch, 23, in den bisher spektakulärsten Fall von Computerspionage verwickelt war. Der Hacker aus Hannover hatte zusammen mit zwei Kumpels Rechner von Militärs, Raumfahrt- und Rüstungsfirmen angezapft und die Computerdaten über zwei Mittelsmänner an den sowjetischen Geheimdienst KGB verkauft (SPIEGEL 10/1989).

 

Über die Erfindung „Computer“: Die Revolution der Roboter (1955)

Das "Watson Computing Laboratory" in der Madison Avenue, Watsons wissenschaftliche Abteilung, ist das Geheimkabinett der "zweiten industriellen Revolution", die von den Elektronengehirnen ausgelöst wurde. "Unsere Maschinen befreien den menschlichen Geist, indem sie ihm langweilige Routinearbeit abnehmen", sagt Thomas Watson. "Aber diese Maschinen befreien auch Millionen gelernter Arbeitskräfte von ihren Arbeitsplätzen", gab der aggressive Führer der amerikanischen Sammelgewerkschaft "Congress of Industrial Organizations", Walter Philip Reuther, massiv zurück.

 

Über Hacker: Schweifende Rebellen (1983)

Leasing International ist nur eines von vielen Opfern einer Gruppe von Computer-Freaks, die Amerikas Datenverarbeiter zunehmend verunsichern. Mit den Elektronenrechnern und ihrer vieltausendfachen Verbreitung in Versicherungen und Banken, Universitäten und multinationalen Konzernen, Schulen und Redaktionen, wuchs eine Generation von Computer-Besessenen heran, die in dem rechnervernetzten Amerika ein elektronisches Spiel ohne Grenzen treiben.

"Bebrillt, leichter Bauchansatz", so beschreibt die amerikanische Popzeitschrift "Rolling Stone" den typischen Vertreter jener Kaste, die in Amerika respektvoll bewundernd, doch auch distanziert und abwertend "Hacker" genannt wird: eine Gruppe manischer Computer-Fans, die stunden- oder tagelang vor der Eingabetaste hocken und Fragen oder Befehle hinein"hacken" - kaum daß sie sich Zeit zum Essen und zum Schlafen nehmen.

Die Hacker, die sich untereinander durch pfiffige Buttons zu erkennen geben, sind zumeist Teenager und Twens, überwiegend männlichen Geschlechts. Sie betreiben ihr Hobby in den katakombengleichen Fluchten von Universitäts-Rechenzentren oder verkriechen sich, wenn der Monatsscheck für einen der Zauberkästen ausreicht, mit einem Heimcomputer in der Studentenbude. Von Diskos, Clubs und anderen sozialen Treffpunkten auf dem Campus halten sie sich fern - einsame Gefangene der Elektronik.

Wie im klassischen amerikanischen Western- und Gangsterfilm, so gibt es auch in der Hacker-Gemeinde "good guys" und "bad guys": Die Bösen sind die "Crasher" (Zertrümmerer), die wie Vandalen über Computernetze herfallen, die Guten sind als bloße "tourists", als friedlich Reisende in fremden Datenbeständen unterwegs. Gute und Böse kämpfen nicht gegeneinander, sondern tummeln sich gemeinsam in den Rechnernetzen - beide Gruppen betrachten sich als Opfer eines als ungerecht empfundenen Systems.

 

Das Internet erwähnten sie das erste mal 1988: Auf die Knie - Ein Virus wurde in amerikanische Datennetze

In Windeseile ausgebreitet hatte sich der Stör-Keim in dem Forschungszentren-Verbundnetz --- S.296 "Internet" sowie in den Computernetzen "Arpanet" und "Milnet", die dem Informations- und Datenaustausch vor allem zwischen Universitäten und Auftragnehmern des Pentagon dienen. Über Arpanet, das 1969 installiert wurde, laufen zum Beispiel Projekt-Informationen, Kostenrechnungen und Forschungsresultate - Daten, die keinem speziellen Geheimnisschutz unterliegen. Da besonders benutzerfreundlich, galt Arpanet den Experten von jeher als anfällig für Eindringlinge.

 

Die Informatik-Wissenschaftler Klaus Haefner und Joseph Weizenbaum über Computer im Alltag und die Folgen: "Es ist eine Explosion des Quatsches" (1987)

HAEFNER: Folgende Episode wird Sie ein wenig schockieren: Ein Moderator von Radio Bremen und ich haben mit den Radiohörern ein Ratespiel gemacht. Abwechselnd haben wir von Menschen gemachte und computergenerierte Gedichte vorgelesen. Dann haben wir die Zuhörer gefragt. Niemand war in der Lage, Computergedichte von den wirklich gedichteten Gedichten zu unterscheiden.

WEIZENBAUM: Ich kenne solche und ähnliche Experimente. Sie besagen lediglich, daß die Zuhörer keinen Unterschied hören können. Trotzdem gibt es aber einen Unterschied zwischen berechneten und geistig geschaffenen Werken.

HAEFNER: Und worin soll er bestehen?

WEIZENBAUM: Okay, diese Frage habe ich mir verdient. Was ist eigentlich ein Gedicht? Warum dichten Menschen Gedichte? Jedes Gedicht ist zunächst einmal der sprachlich gestaltete Ausdruck einer Idee, einer Empfindung oder Erfahrung. Um sie zum Ausdruck zu bringen, müssen die üblichen Grenzen der Sprache überschritten werden - deshalb das Gedicht. Der Computer hat keine Idee und keine Empfindung.

HAEFNER: Jetzt habe ich Mühe, genau zu verstehen, was Sie meinen.

WEIZENBAUM: Der dichtende Mensch ist kein Zufallsgenerator.

 

Über den Siegeszug der Homecomputer: "Computer - das ist wie eine Sucht" (1983)

Die Weihnachtsträume der Computer-Kids kreisen um geheimnisvolle Namen wie "ZX Spectrum", "Atari 600 XL" oder "Commodore 64". Die meisten Geräte sehen für den Laien wie eine amputierte Schreibmaschine aus - eine Standard-Tastatur, mit einigen zusätzlichen Funktionen auf einem flachen Kunststoff-Gehäuse. Innen steckt freilich eine Rechner-Kapazität, für die man vor 25 Jahren ein ganzes Zimmer gebraucht hätte und vor fünf Jahren noch 50 000 Mark hinlegen mußte.

Wozu früher noch ein beachtlicher elektronischer Aufwand erforderlich war, das vollführen jetzt die auf weniger als Briefmarkenformat reduzierten Schaltungen auf einem Silizium-Scheibchen. Die Eingeweihten studieren die technischen Daten dieser Mikroprozessoren und Speicherchips wie Auto-Käufer Hubraum oder PS-Zahl.

Die Kapazität der Speicherchips - soll heißen: wieviel sich die Rechner in eingeschaltetem Zustand merken können - scheidet die Preisklassen der Heimcomputer. Der "ZX 81" der englischen Firma Sinclair zum Beispiel ist als Lockvogelangebot mitunter schon für 98 Mark zu haben - doch der interne Speicher von 1 Kilobyte faßt nicht mal soviel, wie auf eine vollbeschriebene Schreibmaschinenseite an Buchstaben, Ziffern oder Zeichen passen. Der "Commodore 64", derzeit der meistverkaufte Heimcomputer in Deutschland, bietet etwa das 40bis 50fache an Speicher-Raum für 600 bis 700 Mark.

 

Und zu guter Letzt noch ein ganz besonderes Schmankerl über Porno-Games: Verstärkt nackt Porno-Disketten für den Heimcomputer (1988) (Ich hab die Überschrift auch nicht verstanden, der Artikel ist trotzdem ein Knaller!)

Da zeigt "Pam aus Kalifornien" laut Inserat "alles, was sie hat"; angeboten werden "Sexy Games" ("toller Sound, heiße Szenen"), die "in jede Sammlung von Sexy-Programmen gehören"; und als atemraubende "Bearbeitung nach dem berühmten Roman" empfiehlt sich "Emanuelle" - geeignet "für alle Heimcomputer".

Vorbei die Zeiten, als pubertäre Schaulust noch aus Vaters Bücher-"Giftschrank" oder mit den vermeintlich gut verborgenen Porno-Videos gestillt werden mußte. Am Terminal tastet sich die Jugend '88 an die letzten Wahrheiten heran: Auf den Homecomputer-Schirmen zwischen Flensburg und Vilshofen wird kopuliert, was der Speicher hergibt. Wurde die Hardcore-Software bisher meist von Hobby-Programmierern gefertigt, sieht die Bundesprüfstelle jetzt auch "Anzeichen, daß kommerzielle Anbieter stärker in den Markt rücken".

Und mancher bundesdeutsche Minderjährige, der die Eltern mit seinem Computereifer glücklich macht, verbringt in Wahrheit die Rechnerzeit damit, nur mit Helm bekleidete "Fickinger" gegen Normanninnen antreten zu lassen, oder er sorgt dafür, daß es bei "Tommies Super Sex Show" rundgeht.

 
 
 
Warum muss ich eigentlich sowas machen? Kommt da keiner von den werten Journalisten da draußen drauf? Pfff...

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