Die Musikindustrie im Jahr 2008

Gepostet vor 9 Jahren, 7 Monaten in #Misc #Copyright #Music-Industry #p2p

Share: Twitter Facebook Mail

Gestern verkündete LastFM sein Streaming-Angebot: 3,5 Millionen Songs kann man nun über die Website streamen und zwar drei mal. Das Angebot ist als solches nicht neu, Napster hatte sowas schon vor einem Jahr mit fünf Hörrunden, allerdings musste man sich im Gegensatz zu LastFM registrieren. Außerdem galt das Angebot nur für die USA. Disclaimer: ich arbeite bei Napster Deutschland als Grafiker und Webdesigner.

Das ist so ersteinmal keine große Sensation, neu ist höchstens, dass es international startet. Aber richtig interessant wird es erst hier:

The soon-to-be announced subscription service will give you unlimited plays and some other useful things. We’re also working on bringing full-length tracks to the desktop client and beyond.

Free full-length tracks are obviously great news for listeners, but also great for artists and labels, who get paid every time someone streams a song. Music on Last.fm is perpetually monetized. This is good because artists get paid based on how popular a song is with their fans, instead of a fixed amount.

We will be paying artists directly.

We already have licenses with the various royalty collection societies, but now unsigned artists can put their music on Last.fm and be paid directly for every song played. This helps to level the playing-field—now you can make music, upload it to Last.fm and earn money for each play. (LastFM Blog)

In diesen paar Absätzen steht ja schon einiges drin:

1.) LastFM wandelt sich von einer reinen Community zum Subscription-Service und tritt damit in direkte Konkurrenz zu den Subskriptionsdiensten (Abo-Modell) von Napster oder Musicload.
2.) Künstler und Labels erhalten einen Teil des Werbekuchens, mit dem LastFM das neue Modell unter anderem monetarisieren will.
3.) Auch ungesignte Künstler können ihre Songs über die Plattform vertreiben.

Vor allem letzter Punkt ist interessant: wenn LastFMs Plan aufgeht, kann sich die Plattform als umfassende Musikvertriebs-Plattform aufstellen, zusammen mit den Links zu Amazon (und zu dem hoffentlich mal bald in Deutschland verfügbaren MP3-Store) ist das eine Harte Nuss für iTunes. Und für die Labels erst recht. Denen entgleitet nämlich der digitale Vertrieb für Musik mittlerweile völlig, weil sie es nicht geschafft haben, annehmbare Alternativen an den Markt zu bringen.

Und was es bedeutet, wenn einer Industrie der komplette und im wahrsten Sinne des Wortes physische Teil wegbricht, kann man sich an zwei Fingern ausmalen und konsequenterweise baut EMI schonmal 2000 Stellen ab und entzieht der RIAA die Gelder. Gleichzeitig brechen die CD-Verkäufe immer weiter ein und ich schätze, 2008 wird das Jahr, in dem der physische Umsatz dem digitalen nicht mehr besonders viel nehmen wird. Und 2009 dürfte der digitale Musikmarkt mit dem physischen dann entgültig gleichziehen.

Weltweit wurde im vergangenen Jahr Musik für 2,9 Milliarden US-Dollar (2 Milliarden Euro) über digitale Kanäle verkauft. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 40 Prozent im Vergleich zu 2006 (2,1 Milliarden US-Dollar. Weltweit wurden 1,7 Milliarden Musiktitel heruntergeladen, 53 Prozent mehr im Vergleich zu 2006. Damit hat sich der Anteil des digitalen Vertriebs am globalen Musikgeschäft im vergangenen Jahr von 11 auf 15 Prozent gesteigert. Diese noch geschätzten Zahlen gehen aus dem Jahresbericht Digitale Musik 2007 (PDF-Datei) hervor, den der internationale Verband der Phonoindustrie (IFPI) am heutigen Donnerstag in London vorstellte. (heise)

Die Labels werden nach den wahnsinnigen Neunzigern nun von einer neuen Technologie gesundgeschrumpft, die den Markt komplett auf den Kopf stellt. Nicht mehr irgendwelche A&Rs entscheiden über Releases, sondern die Community und der Download.

For 50 years the major labels have thought of themselves as guardians of the music industry; in fact they've been its bouncers. Getting into the club used to be highly desirable. Now it doesn't matter any more.

For artists and managers, this is the moment to take things into their own hands. Artists no longer need to be held for 10 years and they no longer need to sign away ownership of their recorded copyrights. These days, an artist working closely with his manager can ensure that everything is done in the artist's best interest. Majors have never done that. And never will.

Simon Napier-Bell (wikipedia) in einem sehr, sehr langen und sehr, sehr guten Artikel über die Geschichte der Major Labels und ihre Zukunft.

Beziehungsweise: ihre „Zukunft“.

Pommesgabel™ 🤘

[update 23.6.2017] Gene Simmons Abandons Hand Gesture Trademark Application: „Mr. Simmons has apparently reconsidered whether he might have valid trademark…

Podcasts: Preußlers Kleine Hexe und der Triggerknüppel, die Stärken der Introvertierten und schöne, neue Verschwörungswelten

Mit am erstaunlichsten fand ich nach der Wahl von Trump die Reaktionen bei Teilen der Linken auf die Kritik an…

Landgericht Hamburg illegalisiert Links

LOL Hamburg Du Otto: LG Hamburg verschärft Linkhaftung: „In seinem nunmehr vorliegenden, sehr ausführlich begründeten Beschluss (Az. 310 O 402/16)…

Youtube einigt sich mit GEMA

Youtube hat sich mit der GEMA geeinigt, die automatischen Geosperren von Musikvideos soll ab nun der Vergangenheit angehören. Sperrtafeln R.I.P.…

TED-Talk about Remix made from remixing 15 TED talks about Remix

Von U_____P: „A TED talk assembled by remixing and appropriating 15 TED talks about remixing and appropriating.“

Spotify kauft (sehr möglicherweise) Soundcloud (UPDATE: Nope.)

[update 9.12.2016] Nope: „Spotify has given up on its latest effort to buy SoundCloud following months of talks between the…

MP3-Market in Santiago de Chile

Netter Schnappschuss auf FB von ’nem chilenischen MP3-Markt in Santiago, wo sie Mucke auf USB-Sticks verkaufen. Erinnert mich sehr an…

DMCAs Sky

Vor ein paar Tagen machte das Mashup-Game No Marios Sky die Runde und prompt verschickte Nintendo hunderte DMCA-Takedowns an Indiegame-Publisher,…

Leistungsschutzrecht vs Text-Zusammenfassung per Machine Learning

Oettinger so Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene nao! Google so lol: Text summarization with TensorFlow. Die Ergebnisse von Googles Maschinen-Snippets sind nett,…

Abmahnbeantworter

Hübscher Service des CCC und des Fördervereins Freie Netzwerke, der Antwortschreiben auf ungerechtfertigte Forderungen der Abmahn-Industrie generiert. Sie haben eine…

SD-Karten-Fingernägel

Nette neue Arbeit von Aram Bartholl, SD-Karten-Fingernägel voller Linux, Büchern und Malware. Passt 1a in eine Reihe mit seinem Filesharing-Hund…