Genetics in the Year 2000

23.01.2008 Misc Tech #Genetics

Share: Twitter Facebook Mail

Ich mache mir über das Thema schon ein paar Monaten so meine Gedanken und zack, kommt es bei der oder dem DLD um die Ecke in Form von 23andme, einem Webservice, der für 1000$ Deine Gene analysiert und Dir sagt, wie anfällig Du nun für Krebs oder Alzheimer oder sowas bist.

Und dabei springen sie nicht allzu zimperlich mit Deinen Gendaten um:

We may use Genetic and Phenotypic Information to conduct 23andMe-authorized scientific research and development. Any Phenotypic Information you provide is done on a voluntary basis. We may provide third party organizations access to this information for scientific research, but without your name or any other Account Information.

Bei all dem ist es aber herzlich egal, ob ich das nun als ein Realität gewordenes Horrorszenario ansehe, mir eine Wohnung am Tegernsee kaufen will oder einem ein viertes Reich durch den Kopf geht. Denn die Technologie ist da, verfügbar und scheinbar bezahlbar. Scheinbar weil: wer nun eine Genanalyse kauft und feststellt, er ist einem größeren Herzinfarktrisiko ausgesetzt, der könnte mit dem Rauchen aufhören. Als Geschenk für seine ungeborenen Kinder könnte man aber auch eine Art Gentherapie durchführen. Bio-Engineering. Und das dürfte ungleich teurer werden, als eine schlappe Analyse. Was nicht zu technologischen, sondern zu sozialen Problemen führen dürfte. Gattaca, anyone?

Und Bio-Engineering wird garantiert nicht von den allgemeinden Krankenkassen gezahlt. Soviel ist sicher. Die soziale Schere, die sich schon lange nicht mehr „nur“ zwischen arm und reich auftut, sondern eben auch zwischen gesund und krank, wird dann nicht nur extrem weit aufklappen, sie wird auseinanderreißen. Dann werden sich gut informierte, gut situierte, gentherapierte Alltags-Athleten und der arbeitslose Rest gegenüberstehen, noch mehr als sie es jetzt schon tun. Was wir da heute an Jugendgewalt diskutieren, dürfte dagegen ein Zuckerschlecken sein.

Die ethischen Diskussionen um dieses Thema finden bislang immer noch im Elfenbeinturm der Philosophen und Science-Fiction-Autoren statt, obwohl es spätestens jetzt mitten in der Gesellschaft gelandet ist. Und die Politik, die grade erst die Vorratsdatenspeicherung durchgewunken hat und sowieso schon ganz geil auf Biometrie ist, will ich lieber nicht über Gendatenbanken reden hören.

Was bleibt sind: ganz düstere Aussichten.

Tut mir leid, dass ich diesem Artikel kein positiveres Fazit verpassen konnte. Mir fällt leider keins ein.