Alles wie früher. Fast.

16.01.2008 Misc #Kids #Storys

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Da trifft man einen, mit dem hat man früher Wände vollgesprüht und hunderte von Blättern vollgemalt. Man hat sich gegenseitig die Tag-Techniken abgeschaut und Styles voneinander kopiert. Musik gemacht, ich vielleicht etwas mehr, als er. Den trifft man also wieder, und alles ist wie früher. Man schwatzt eine, zwei, fünf Minuten über den Kram, den man so macht („Ich mach da mein Studium fertig“ und „Ich bin da und mach Webdesign und sowas“).

Alles wie früher. Fast.

Er hat mit seiner Freundin ein Kind, seit einem Jahr, oder so. Seitdem ist alles anders, meint er. Kann ich nachvollziehen, allerdings: glücklich erscheint er mir nicht. Was weiß ich schon. Als ich erzähle, dass ich ziemlich viel im Internet unterwegs bin und dies und das und gestern noch in Berlin irgendwelchen Quatsch gemacht habe, leuchten kurz seine Augen. Das wäre ja auch mal was gewesen. Berlin. Oder Hamburg. Jedenfalls Großstadt. Aber jetzt...

Es ist vielleicht ein Fluch von unerfülltem Talent, dieses latente Unglück. All die Möglichkeiten und dann die Verpflichtungen. Diese scheiß Verpflichtungen. Diese drei Millionen Türen, die zuknallen und nur diese eine, die sich auftut, wenn dieser Satz fällt: „Ich bin schwanger“. Ein Kind verändert alles, hat er gemeint. Natürlich, hab ich gesagt, ganz so, als ob ich davon irgendeine Ahnung hätte.

Ich hätte gerne Kinder, wenn sich irgendwann mal die richtige Missus Walter einfinden würde. Aber seit vorhin zweifle ich an diesem Vorhaben. Ich weiß nicht, ob ich die Verantwortung will. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin, die Opfer darzubringen. Ich weiß nur, dass ich vorhin keine wirklich glücklichen Augen gesehen habe, von einem Menschen, von dem ich so etwas als allerletztes erwartet hätte.

Aber was weiß ich schon.