CDs rippen ist strafbar - 2008 wird das Jahr der Copyright-Wars und warum sich Urheberrecht und Internet ausschließen (mal wieder)

[update] Jeffrey Howell wird nicht für's rippen von CDs verklagt, sondern für das normale Runterladen von illegalen Files.

it turns out that Jeffery isn't actually being sued for ripping CDs, like the Washington Post and several other sources have reported, but for plain old illegal downloading. (Engadget)

Die Überschrift kann trotzdem so bleiben, denn die Argumentation fiel trotzdem so.

---

Zumindest ist das Rippen von CDs laut Argumentation der RIAA strafbar, die Jeffrey Howell einen netten Brief geschrieben hat, in dem sie mit rechtlichen Schritten drohte. Kennt man ja, da werden Filesharern mit Klagen gedroht, die man gegen eine gewisse Summe dann abwenden kann. Jeffrey Howell ist jedoch kein Filesharer, sondern sie werfen ihm vor, seine gekauften CDs auf den Rechner übertragen zu haben, ein Downloader, dem sie in der Argumentation zusätzlich vorwerfen, CDs gerippt zu haben, was übrigens auch bei uns ab 1. Januar, sofern die CDs kopiergeschützt sind, strafbar ist. Howell geht damit jedenfalls vor Gericht.

In legal documents in its federal case against Jeffrey Howell, a Scottsdale, Ariz., man who kept a collection of about 2,000 music recordings on his personal computer, the industry maintains that it is illegal for someone who has legally purchased a CD to transfer that music into his computer.

The industry's lawyer in the case, Ira Schwartz, argues in a brief filed earlier this month that the MP3 files Howell made on his computer from legally bought CDs are "unauthorized copies" of copyrighted recordings.(Washington Post, via)

Streng genommen, nach dem aktuellen Urheberrecht (bei dem ich mich in den Staaten jetzt nicht wirklich auskenne, aber davon ausgehe, dass es ebenfalls das Rippen kopiergeschützter CDs untersagt), hat die RIAA natürlich juristisch Recht, was selbstverständlich an der Realität meilenweit vorbeistiefelt. Trotzdem scheint die Rechtssprechung der Lobby der Musikindustrie zu folgen. Jamie Thomas wurde für den Upload von 24 Songs zur Zahlung einer Summe von 9250 Dollar verknackt. Pro Song!

Das ist, nach ein paar guten Nachrichten (3 von 4 Majors verkaufen DRM-freie MP3s... mehr gute Nachrichten kann ich grade nicht finden... aber da waren welche, oder? Oder?), ein galaktischer Rückschritt für die RIAA, wobei ich annehme, dass bei dieser Riesenlobby die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut und so immer wieder Ausfälle dieser Art vom „copyrightkonservativen“ Flügel ausgehen dürften.

Was die Musiklobby nicht begreift: die digitale Datei ist prädestiniert für das Konzept der Kopie. Denn Kopien digitales Files sind strengenommen keine Kopien, sondern absolut gleichwertige Klone des Originals, was das ganze ja für die Content-Industrie auch so gefährlich erscheinen lässt. Ich habe mich da neulich mit Jeriko schon drüber unterhalten und der meinte, das wäre Korinthenkackerei, aber: das Internet ist per se eine riesige Kopiermaschine. Wenn ich eine Website besuche, die noch so oft mit einem Urheberrechtshinweiß versehen ist, dann mache ich eine Kopie dieser Website als Files im Cache. Mit anderen Worten: bei fast allen Website-Besuchen verstoße ich streng genommen gegen das Urheberrecht. Korinthenkackerei, von mir aus, ist aber so.

Alleine dieser Fakt zeigt, dass sich das Urheberrecht und das Internet diametral gegenüber stehen, geistiges Eigentum funktioniert nicht in einem Medium, das wie kein anderes zuvor das Konzept der Kopie (und den Link) in den Mittelpunkt seiner Funktionsweise stellt. Wenn die Rechteverwerter weiter gegen diese technischen Gegebenheiten vorgehen, werden sie scheitern. Forderungen nach Copyright-Filtern sind schon jetzt out of date, wo es Bittorrent-Clients gibt, die Verschlüsseln und Anonymisierung on board haben. Die technische Entwicklung wird den Kontrollfreaks der Musikindustrie immer einen Schritt voraus sein.

Mal ganz davon abgesehen: der Musikindustrie geht es ja eigentlich alles andere als schlecht:

it's a big mistake to equate the major labels and their plastic disc business with the industry as a whole. Indeed, when you stand back and look at all of music, things don't look so bad at all.

Indeed, it appears that every single part of the music industry except the sale of compact discs is up.

- Concerts and merchandise: UP (+4%)
- Digital tracks: UP (+46%)
- Ringtones: UP (+86% last year, but probably just single-digit percent this year)
- Licensing for commercials, TV shows, movies and videogames: UP (Warner Music saw licensing grow by about $20 million over the past year)
- Even vinyl singles (think DJs): UP (more than doubled in the UK)
- And, if you include the iPod in the music industry, as I'd argue a fair-minded analysis would: UP, UP, UP! (+31% this year)

Only CDs are down (-18%). They're around 60% of the industry not including the MP3 players, but just around 25% if you do include them.

So the problem with the music labels is not that music is an industry in decline, but that they have a too-narrow view of what business they're in.

Letztenendes kann es nur auf die Lösung herauslaufen, die als „Musik wie Leitungswasser“ beschrieben wird. Die Kulturflatrate. Alle anderen Lösungen werden genauso scheitern, wie DRM gescheitert ist, und kriminalisieren Millionen von Menschen, die eigentlich nur eins wollen: Musik hören, auf dem einfachsten und schnellsten Weg, den es gibt. Und der ist nunmal P2P. So sehr sich die Musikindustrie mit ihrem juristischen Aktionismus auch auf den Kopf stellt: willkommen in der digitalen Realität.

Linktipp dazu: Steal this Film II - ein Film über geistiges Eigentum im 21. Jahrhundert und wie uns das Internet zu Kopierer macht:

Starting with Mark Getty's (Chairman of Getty Images) infamous statement that "Intellectual Property is the oil of the 21st century," the filmmakers note that oil always leads to oil-wars, and that these are vicious, ill-conceived and never end well. This leads them to explore the war on copying -- which ultimately becomes a war on the Internet and those of us who use it. (BoingBoing)