Musikindustrie fordert Copyright-Filter

Das hatte ich neulich schon in den Links, muss da aber dann doch noch was zu sagen, wo mich sp0n mich da heute nochmal dran erinnert.

Das EU-Parlament arbeitet derzeit unter der Federführung des französischen Sozialisten Guy Bono an einem Bericht über die Förderung der Kulturwirtschaft. Die Lobbyvertretung der Musikindustrie hat diese Chance genutzt, um in einem "Optionspapier" einmal mehr auf die unzureichende Kooperation der Zugangsanbieter sowie auf technische Möglichkeiten im Kampf gegen Raubkopien hinzuweisen. Die konservative spanische Abgeordnete und frühere Kulturministerin ihres Landes, Pilar del Castillo Vera, hat daraufhin gefordert, dass die Provider "Filtermechanismen installieren sollen, um Urheberrechtsverstöße zu verhindern".

Von dem Kollateralschaden bei irgendwelchen Filtern mal abgesehen, denn es dürften erstens völlig legale Files und Websites geblockt werden bei einem Automatismus. Auch abgesehen von Aufwand und Kosten, die die ISPs dann erstmal auf die User abwälzen dürften. Und ebenfalls davon abgesehen, dass solche Filter dann eben mit Verschlüsselung und Techie-Magic einfach umgangen werden. Von all diesen Punkten habe ich eine Frage an die verfickte Musikindustrielobby:

Warum zum Teufel verschließt man sich dermaßen gegen funktionierende Distributionskanäle, auf denen Millionen von Fans Musik (und Filme und Comics und E-Books und Software und all das sowohl legal als auch eben illegal) tauschen, nimmt diese und monetarisiert sie? Der Filter wäre derselbe, nur dass sie damit Geld machen könnten. Und das wohl nicht zu knapp. Ich versteh's einfach nicht! Sie haben aus dem Napster-Desaster damals nichts gelernt und wollen die Kontrolle nicht aus den Fingern geben, die sie schon lange nicht mehr haben.

2008 wird spannend. Die Vorratsdatenspeicherung und solche Forderungen weisen in ein eher unfreies Internetz, kontrolliert, observiert, gefiltert und beobachtet. Und ich bin da ganz beim CCC, wenn er bei diesem ganzen Wahnsinn zivilen Ungehorsam fordert.

Aus der Zeit der RAF wissen wir: Der bewaffnete Kampf bringt nichts (lacht). Aber im Ernst, vielleicht müssen wir versuchen, die Menschen mehr zu radikalisieren. Das heißt, ihnen mehr Mut zu zivilem Ungehorsam zu machen. So kann man den Chip, der auf den neuen Reisepässen die gespeicherten Fingerabdrücke enthält, zu Hause in der Mikrowelle zerstören.

Vielleicht schmeißt man zu dem Reisepass dann auch gleich noch ein paar Musikindustrielobbyisten mit in die Mikrowelle. Platzen die dann?