„So sind 34% der Befragten der Meinung, dass bettelnde Obdachlose aus den Fußgängerzonen entfernt werden sollten“

21.12.2007 Misc #Society

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Wenn ich mir diesen Artikel auf Telepolis durchlese, der pünktlich zum sogenannten Fest der Liebe ein paar Zahlen ausspuckt, bei denen ich gepflegt in die Büsche reihern könnte, dann läuft mir aber echt die Galle über.

Das gesellschaftliche Klima für Langzeitarbeitslose wird rauer, ist eine gerne bemühte Floskel. Doch das Ergebnis einer Studie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konfliktforschung, die kürzlich vom Leiter der Forschungsstelle Wilhelm Heitmeyer veröffentlicht wurde, könnte man damit knapp zusammenfassen. Demzufolge sind 40 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass man auf "Versager" keine Rücksicht nehmen dürfe.

56% haben eine eher ablehnende Haltung gegenüber Langzeitarbeitslosen. 60,8 Prozent der Befragten identifizierten sich mit der Aussage: "Ich finde es empörend, wenn sich die Langzeitarbeitslosen auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen". Mit 49,3% ist fast die Hälfte der Befragten der Meinung, dass "die meisten Langzeitarbeitslosen nicht wirklich daran interessiert sind, einen Job zu finden". Auch der Wunsch nach harten gesetzlichen Maßnahmen gegen die Armen findet mehr Zustimmung. So sind 34% der Befragten der Meinung, dass bettelnde Obdachlose aus den Fußgängerzonen entfernt werden sollten".

Da fragt man sich doch, ob wirklich jeder zweite oder sogar noch mehr, die mit einem morgens im Zug hocken, wirklich solche verbohrte, kleingeistige, besitzstandswahrende Arschlöcher sind.

Noch was:

Auch die Medien haben einen wichtigen Anteil an einer solchen Stimmung. Das wird beim Ausfall des SPD-Politikers Kurt Beck gegen den Erwerbslosen Henrico Frank, der sich kürzlich jährte, deutlich [...]. Dabei wurde in der Regel süffisant angemerkt, dass sich Becks Rat, sich erst einmal zu waschen und zu rasieren, wenn er einen Job bekommen will, mittlerweile bewahrheitet hat.

Ich sehe Henrico Frank öfter morgens in der Straßenbahn. Der trägt seine Haare wieder lang und ist auch sonst eher Punk als Beck, hat aber trotzdem einen Job. Soviel zur neokonservativen Augenwischerei. „Der Mythos Henrico Frank - der Punk der zum Banker wurde“. Lachhaft. Arschlöcher. Verschlippste.

Übrigens, Telepolis: zwischen Prozentzeichen und Ziffer kommt kein Leerzeichen. Nur mal so.