GEZ kauft Adressen von privaten Datenbanken und will auch von erfundenen Personen Rundfunkgebühren

20.12.2007 Misc #Art #Fail

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Die Headline habe ich mir einfach mal von der Telepolis geklaut, ich denke mal, dass das klar geht und dieser Artikel ist ein absoluter Lesebefehl: Behördenwahnsinn, Aktionskunst und dubiose Datenschacherei auf einmal. Das hat schon was von Kunst-Datenschutz-GEZ-Mashup-Dings... sieht liest man auch nicht alle Tage, sowas.

2005 erschuf Kosellek die Figur Billy Baypack, eine "frei erfundene Person, die weder in Deutschland, der EU noch den USA gemeldet ist." Der Name des "organisierten Werbelisten- und Datenschrotplatzes" ist eine erkennbare Anspielung auch die Payback-Karte. Dort und auf vier weiteren Werbelisten ließ Kosellek den Namen auch eintragen: Von McDonalds, Beate Uhse, Happy Digits und der Rewe Handelgruppe. Wie nicht anders zu erwarten, erhielt Billy Baypack daraufhin jede Menge Post von "Werbefirmen, Agenturen und sonstigen Netzwerken der freien Wirtschaft." Als Kosellek seinen Billy zum Doktor promovierte, erhielt dieser auch Post von Banken, die ihm Kredite anboten.

So weit, so berechenbar. Doch am 17. November 2006 geschah etwas, womit Koselleck nicht gerechnet hatte: Die GEZ meldete sich ohne jedes Zutun seinerseits mit einem Anmelde- und Überweisungsformular bei Billy Baypack.

[...]

Darauf wollte Koselleck Billy Baypack als Radiohörer abmelden. In einem ersten Versuch schickte er der Behörde, die seit einigen Jahren dafür bekannt ist, Abmeldungen nach Möglichkeit zu verweigern, zusammen mit einer formalen Kündigung eine abgebrochene Radioantenne zu. Die Reaktion überraschte selbst den Aktionskünstler: Die GEZ schrieb zurück, dass sie die Abmeldung nicht akzeptieren würde, weil Billy Baypack ja weiterhin über ein Empfangsgerät verfüge - mit allerdings schlechtem Empfang.

Diese behördliche Steilvorlage nahm Koselleck auf und bereitete für heute 14 Uhr die "fachgerechte" öffentliche Zerstörung eines Radiogeräts in einer "kurzen und nachhaltigen Aktion" vor der Hauptpost am Domplatz zu Münster an.

[...]

Positiv wertet Kosellek, dass die GEZ Billy Baypack trotz seines offenbar illegalen Aufenthalts nicht an die Ausländerbehörde oder die Polizei meldete – zumindest bekam er von dort bisher weder Besuch noch Post. Bei der Weitergabe scheint die Behörde also möglicherweise den Datenschutz etwas ernster zu nehmen, als bei der Beschaffung. Andererseits wäre die Abschiebung von Billy Baypack natürlich auch der Verlust eines Gebührenzahlers - was offenbar nicht im Interesse der zentralen Einnahmestelle liegt.