Print is dead

Was David Carson schon in den Neunzigern vorhersagte, bestätigt jetzt nochmal eine Studie von Castulus Kolo und Robin Meyer-Lucht - übrigens beides sehr sehr (sehr [sehr] sehr!) lustige Namen, muss man mal laut aussprechen, die Dinger -, die besagt, dass Tageszeitungen zu den absoluten Online-Verlierern gehören.

„Je stärker die Nutzungszunahme von Online-Nachrichten in einer Altersgruppe, desto gravierender sind zugleich auch die Einbußen der Tageszeitungen.“ Zu diesem Ergebnis kommen Kolo und Meyer-Lucht durch eine Zeitreihenanalyse der vom Allensbach-Institut erhobenen ACTA- und AWA-Daten der Jahre 2001-2006. Die Autoren lehnen auf ihrer Datengrundlage die Komplementärnutzungsthese (Online verdrängt Print nicht, sondern beide Medien ergänzen sich in ihren jeweiligen Stärken) ab und sehen eine wachsende Polarisierung: Die Parallelnutzung erscheint hier als bloßer Übergang zu einer »habitualisierten Entscheidung« für oder gegen Print. Besondern bei den jüngeren Altersgruppen, die als digital natives mit dem Internet aufgewachsen sind, lässt sich also eine echte Abwendung von den Printmedien betrachten. Damit erscheint die bisherige Koexistenzthese (etwa das Rieplsche Gesetz) als verzweifelter Versuch der Selbstlegitimierung der Digitalisierungsverlierer Tageszeitungen. (Metarollenblog)

Überrascht mich nicht wirklich, sehe ich am besten an mir selbst. Als ich vor fünf Jahren anfing, in Frankfurt zu arbeiten, las ich noch morgens die Zeitung, ging nahezu jeden Tag in den Zeitschriftenladen am Bahnhof, kaufte mir dort Musik-, Design-, Film- und Game-Magazine oder die Brand Eins. Diese Zeiten sind längst vorbei. Auf Zeitungen schiele ich im Vorbeigehen, um festzustellen, dass ich das alles schon weiß, mein letztes Magazin habe ich vor... ich weiß es nicht mehr.

Vor den klassischen Print-Sektor hat sich das Internet geschoben und die klassischen Medien nahezu komplett verdrängt. Mein Feedreader und meine News-Bookmarks sind mein Filter, durch den ich die Online-Angebote der Verlage und Medienhäuser nutze. Für mich ist Print „nur“ noch als Literatur lebendig, was sich trotz Amazons Rohrkrepierer Kindle nicht ändern wird, jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Denn das Buch ist eben die Killerapplication des Print. Einfach zu handhaben, super in der Haptik. Aber für Info-Häppchen, News und auch mal längere Artikel? Hier ist das Internet mit seinen Vernetzungs-Möglichkeiten den Magazinen und Zeitungen haushoch überlegen.

Und wenn die FAZ und die Süddeutsche nun immer wieder gegen das Netz schießen, dann heisst das vor allem eines: Print is dead. Welcome to the Future.

[update] Heise hat ein paar mehr Infos:

Besonders stark betroffen sind die Altersgruppen der 25- bis 34-Jährigen und der 35- bis 44-Jährigen. Bei ihnen ist der Anteil der regelmäßigen Leser von Abonnements-Tageszeitungen von 2001 bis 2006 von 50,5 auf 37,4 und von 64,8 auf 54,2 Prozent zurückgegangen. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Intensivnutzer von Nachrichtensites von 7,9 auf 14,2 und von 7,0 auf 12,3 Prozent. "Online und Print laufen nicht einfach parallel oder ergänzen sich gar", erklären die Autoren, "sondern machen einander zunehmend Zuwendungsressourcen streitig." Es zeichne sich der Übergang von einer "experimentellen Parallelnutzung" hin zur "habitualisierten Entscheidung" für Print oder Online ab.