Von Wrestlerinnen an der Haltestelle

29.11.2007 Misc #Storys

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Heute morgen begegnete mir eine Irre an der Straßenbahnhaltestelle. Nicht, dass mir da vorher keine Irren begegnet wären, im Gegenteil: ich erinnere mich an den kleinen, dünnen Mann, der mit wild fuchtelnden Armen und Geifer auf mich zukam, mich dabei anschaute und unverständliches Zeug brabbelte wie Rumpelstilzchen, oder so – aber diese Frau war ganz besonders wahnsinnig.

Zunächst einmal war es gar nicht so einfach, diese Frau als Vertreterin ihres Geschlechts auszumachen. Obwohl, eigentlich doch: sie hatte Möpse wie Kürbisse. Und ich übertreibe kein Stück, wenn ich das sage. Ohne Mist: dieser da hingen Medizinbälle vorm Bauch. Was allerdings auch das einzige war, was an eine Frau erinnerte. Denn: sie war so breit wie ein Bodybuilder und lief auch so an der Haltestelle auf und ab. Immer wieder, die Arme so seitwärts weit vom Körper gestreckt, mit breitbeinigem Gang lief sie hoch und runter, hoch und runter, auf und ab. Dazu hatte sie ein Boxergesicht samt platter Nase und - Achtung, spätestens jetzt wird es einigermaßen absurd - einen Afro-Haarschnitt, bei dem Jules Winfield aus Pulp Fiction neidisch geworden wäre.

Nette kleine erscheining, diese Irre, und ich hätte mich auch nicht weiter um sie gekümmert, wenn sie nicht auf einmal schnurstracks mit ihrem ausladenden Gang auf mich zugekommen wäre. Da kann einem schonmal die Muffe sausen, wenn so eine kürbisbehangene Tante auf einen zukommt. Und es kam noch schlimmer. Denn ihr ganzer Wahnsinn entlud sich auf einmal in einer Grimasse, die ich niemals vergessen werde. Sie stierte mich auf einmal an, wie sich Wrestler vor dem Kampf anschauen. Mit gesenktem Kopf und aufgerissenen Augen stand sie also vor mir breitbeinig und -armig aufgebaut, während ich innerlich schlotternd versuchte, die Wahnsinnige irgendwie zu ignorieren, was ich auch irgendwie hinbekam und die irre Tante schließlich abdampfte und woanders breitbeinig einherschreitete und andere mit ihrem Wrestler-Blick in Grund und Boden rammte.

Da hatte ich ja nochmal Schwein gehabt.

Als ich aus der Straßenbahn stieg, drückte mir eine süße, blonde PR-Maus einen Adventskalender in die Hand und die Aubergine-Maus erzählte mir, dass sie Zombies mag. Ohne Scheiß! Und das entschädigte mich dann doch für alle wahnsinnigen Kürbis-Wrestlerinnen der Welt. Als sie mir allerdings erzählte, dass „wir“ am Wochenende Hot Fuzz gesehen haben und ob ich den kennen würde, da war ich dann raus, trotz Zombie-Hasen und Sandra Bullock. Schade, eigentlich.