„...die machen das einfach.“

Johnny über das Ende den Wandel in der Musikindustrie, umfassender und abgerundeter, als ich das jemals könnte...

Ich kenne Menschen, die in der Musikindustrie beschäftigt sind. Einige von ihnen mag ich sehr und ich schätze ihre Leidenschaft für Musik und ihr Engagement für die Künstler, mit denen und für die sie arbeiten. Während sie mir die rechtlichen und internationalen Gegebenheiten und Änderungsnotwendigkeiten ihrer Branche erläutern können, kann ich aus dem Netzkästchen plaudern. Und gemeinsam grübelt man so hin und wieder über mögliche Lösungsansätze für die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft, wobei mir die größte Hürde immer wieder die zu sein scheint, dass Neuerungen gesetzlicher und inhaltlicher Art fast ausnahmslos internationaler Natur sein müssten. Was die Sache nicht leichter macht.

Ich schicke diese Sätze voraus, weil ich weiß, dass man kein ignoranter, geldgieriger Vollidiot sein muss, um in „der Musikindustrie“ zu arbeiten (wer seinen Schreibtisch in der Nähe von Thomas Stein zu stehen hat, darf sich den Satz „… aber es hilft!“ ausdrucken und an die Wand hängen). Ich schicke diese Sätze voraus, weil ich die oft gelesene Freude über den „Tod der Musikindustrie“ nicht nachvollziehen kann und diesen weder für wahrscheinlich noch erstrebenswert halte. Mir ist es nach wie vor lieber, wenn sich Menschen mit Künstlern und deren Ergüssen beschäftigen, die Erfahrung mit und Interesse für Musik haben, als dass diese Aufgabe von Softdrink- oder Computer-Herstellern übernommen wird. Und gerade deshalb macht es mich immer wieder fassungslos, wenn die Sprecher dieser Industrie genau diejenigen sind, die durch ihre Langsamkeit, Greisheit und Ignoranz eben diesen Trend unterstützen und ihr eigenes Grab immer tiefer schaufeln.

Nicht nur die Musikindustrie befindet sich in einem radikalen Wandel, nicht nur die Musikindustrie sieht sich als Branche mit den Herausforderungen eines Technik- und Generationen-Wechsels konfrontiert. Doch sollte jemand mal ein Beispiel für fieseste Arroganz in Partnerschaft mit Betriebsblindheit suchen: musikindustrie.de. Nach vielen, vielen Jahren, in denen Erfahrungen gesammelt und Expertise eingeholt werden konnte, findet sich dort immer noch die gleiche alte Leier: Kriminalisierung der tatsächlichen und potentiellen Kunden, Ausrufezeichen und Verbotshinweise en masse, fehlinterpretierte Zahlenspiele, jämmerliches Geheule, der Versuch mittels einer Software in die Privatsphäre der Kunden einzugreifen, „Wir haben aber Recht“-Gebrülle, und, und, und. Dazu das ebenfalls übliche Selbstfeiern und eine „menschliche Gitarre“, die von Schülern gebildet wurde, die „darauf aufmerksam machen, dass illegale Downloads kein Kavaliersdelikt sind“. Ganz lieb. Willkommen in der Welt der IFPI.