Generation Geek

Wir sind die Generation, die Bücher über Generationen scheiße findet und eins der schlimmsten, das ich jemals gelesen habe, heisst „Generation Golf“. Im Nachhinein erscheint mir das Buch gar nicht mehr so furchtbar, weil es immerhin diese ganze solariengebräunte Spießigkeit entblösst, von der man ja auch damals schon vermutete, dass sie uns von diesen Menschen, die sich einmal im Jahr Müllwesten anzogen und in Berlin unsere Loveparade versauten, irgendwann mal als Lebensgefühl verkauft werden würde.

Was mich von solchen Menschen unterscheidet, zeigt sich gleich in den ersten Zeilen dieses Buchs, wenn Florian Illies einen ganzen Absatz lang beschreibt, wie er ein Glas Nutella öffnet.

Natürlich kenne auch ich das Knacken des Nutella-Deckels. Aber ihm einen ganzen Absatz widmen? Nö. Da schreibe ich doch lieber einen Absatz darüber, wie ich in nur einem Tag eine ganze Dose Himbeer-Quench leer gemacht habe. Ohne Wasser. Ohne Löffel. Ich benutzte den Plastikdeckel der Dose, um mir das Pulver in den Rachen zu schütten und danach stand ich vor dem Spiegel und streckte mir meine dunkeldunkelrot gefärbte Zunge raus. Meiner damals ziemlich prominenten Akne dürfte dieser regelmäßige Purgenuss von Brausepulver ziemlich zuträglich gewesen sein, weshalb ich die meiste Zeit zwischen zwölf und fünfzehn nicht mit Mädchen, sondern vor meinem 64er verbrachte. Womit wir endlich beim Thema wären. Was nämlich dem Illies sein beknacktes Nutella, das sind für mich Pixel.

Und Toys. Und Filme.

Und Monty Python und Games und der Zauberwürfel. Tapes! Comics! MAD! Zombies und Werwölfe. Vampire not so much, gehen aber auch. Cthulhu und überhaupt: Lovecraft! Die Universal-Monster-Box, die man eigentlich schon hatte, die man sich aber wegen der Büsten von Frankenstein, Dracula und dem Wolfman nochmal gekauft hat. 42 und die UFOs, die genauso in der Luft schwebten, wie Backsteine das eben nicht tun. Alien! Das Poster von Metropolis an der Tür, Forbidden Planet, Clerks und Life of Brian an der Wand und die komplett vollständige Sammlung der Akira Mangas. Die Ed Wood Box aus England mit dem Buch „Nightmare of Extasy“ und Plan 9 from outer Space auf fucking VHS.

Die halbe Stunde, die ich in einem Praktikum in einer EDV-Abteilung mit Kommando-Zeilen-Action damals mit offenem Mund staunend vor diesem Roboterarm gestanden habe, der in einem Rondell Bänder austauschte, nur um danach in Word0.93Beta mein erstes Fanzine zusammenzuschustern, mit dem ich den Papierverbrauch des Kopiererraums für das nächste halbe Jahr rund verdreifachte.

Der Moment, als meine ehemalige Cheffin meinte, dieser Stanislav Lem, das sei doch dieser Spinner, der diese verrückten Sachen schreiben würde und ich dachte: „Fuck, yeah!“

Die zwei Stunden, in denen ich vor meinem Atari 2600 saß und wirklich verstehen wollte, wie dieses dämliche E.T.-Spiel funktionierte, was da der Sinn war und wo das Ziel dieses echt miesen Games lag. Echt, ich hab's versucht. Aber nach diesen zwei Stunden pfefferte ich das Game in die Ecke und zockte eine Runde Yars Revenge. Oder Cosmic Arc, so genau weiß ich das nicht mehr. Is ne ganze Weile her. Ein Atari 2600 habe ich hier trotzdem noch rumfliegen.

Da kann der Illies mal wirklich einpacken, ein Buch hat er auf die Reihe gekriegt, aber Geschmack ist was anderes. Denn was ist schon so ein beknackter knackender Nutella-Deckel gegen das hier:

Pure MAD Don Martin Porn, am Samstag in der Post. Und damit ihr auch hübsch grün vor Neid anlauft, hier der Beipackzettel:

The Complete MAD Don Martin
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Zackaboink, Golf-Motherfuckers!

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