Das Badebuchauswahlverfahren

Die Auswahl eines guten Buches ist essentiell wichtig für das sonntäglihce Baderitual. Zu schwer darf es nicht sein, das Druckwerk will nun schließlich für eine Stunde oder so über dem Wasserspiegel gehalten werden. Die Hardcover-Version des 900-Seiten-Wälzers „Rip it up and start again“ ist also nur bedingt zu empfehlen, auch wenn es diesen überaus schicken gelb-schwarz-pinken Umschlag hat, der aber nix is im Vergleich zu dem tollen blauen, transparenten Umschlag, den Mutti früher immer um meine Schulbücher der Grundschule gewickelt hat. Später gabs keine Schutzumschläge mehr, warum weiß ich allerdings nicht.

Zurück in die Badewanne!

Ein Buch für die Wanne sollte auch in intellektueller Hinsicht nicht zu schwer sein. Proust eignet sich nur bedingt fürs Baden, denn nicht nur der Wasserdampf macht einem nun ganz dämmrig zumute, auch der Text lässt die Lider sinken und irgendwann kapiert man dann gar nix mehr. Die leichte Lektüre ist ebenfalls abzulehnen. So ein geschmeidiges Comic oder ein billiges Pulp-Fiction-Heftchen sind zwar in Nullkommanix weggelesen, aber dann liegt man in der warmen Plörre und hat nix mehr zu tun. Auch nicht gut. Ein gänzlich anderer Ansatz ist die Auswahl nach Lesequantitativen Maßstäben. Anders gesagt: man sollte Bücher bevorzugen, die man noch nicht gelesen hat. Es gibt zwar ein paar Bücher, die ich zwei- oder mehrmals gelesen habe, dazu zählen welche von H.P.Lovecraft oder Stanislav Lem, ich bevorzuge es aber durchaus, mir frische Texte vorzunehmen, gerne auch mal was klassisches.

Heute Abend hatte ich reichlich Auswahl an nicht oder nur angelesenen Büchern. Und was nehm' ich? William Gibsons „Neuromancer“. Zum dritten mal. Argh!