Vom Rumwackeln im kalten Duschwasser und Ballermannveteranen

28.10.2007 Misc #Storys

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Wenn ich nach dem Baden nochmal in die Dusche springe, kann man etwas lustiges beobachten. Weils ja in der Badewasserplörre so kuschlig warm und draußen so garstig kalt ist, flüchtet René vor der luftigen Kälte schwupps in die Duschkabine, ohne vorher das Duschwasser auf Wärmegrad abzutasten. Das macht er erst drinnen und naturgemäß ist das Wasser, das zunächst aus der Brause braust, eher kühl. Und auch, wenn ich den Duschkopf natürlich von mir weghalte, ein paar Tropfen treffen immer. Nun beisst der René dann nicht die Zähne zusammen und erträgt es wie ein Mann, nö.

Ich fange dann an zu hüpfen und komisch mit dem Kopf zu wackeln. So mit dem Körper immer hoch und runter, mit dem Kopf dafür immer von rechts nach links. Würde ich tatsächlich mal in dieser furchtbaren Fernsehsendung namens „Big Brother“ mitwirken, in der sich solariumgebräunte Ballermannveteranen mit solariumgebräunten Ibizaveteranen um die Wette auf den Sack gehen, das Land hätte wahrlich was zu lachen, wenn der René da unter der Dusche rumhüpftwackelt.

Ich habe ja noch nie verstanden, was an diesem Konzept der Überwachung zwecks Entertainment unterhaltsam sein soll, vor allem weil es sich ja nicht um einsteinsche Figuren handelt, sondern eher um, sagen wir mal, simplere Zeitgenossen. Denen mag ich nicht beim Mobben und Rummachen zusehen. Bei Nobelpreisträgern fände ich das allerdings wieder sehr unterhaltsam. Was würde passieren, steckte man Günter Grass, James Watson und Mutter Theresa zusammen mit Marie Curie, bei der ich immer an indische Gewürzmischungen und nicht an radioaktive Strahlung denke, in eine Wohnung, schlöße ab, werfe den Schlüssel weg und hielte die Kamera drauf?

Warscheinlich würde sie nicht ständig Planck bekommen und auch der Name Shakespeare wäre dem ein oder anderen der anwesenden Abgefilmten ein Begriff. Außerdem würde ein „Sender“ wie Neun Live heute nicht existieren, ganz einfach aus Mangel an kompetent unkompetenten Vorderkamerarumhampelnden. Kurz: die Welt wäre eine bessere.

Ich traue übrigens jedem Big-Brother-Container-Bewohner ohne weiteres zu, sich am laufenden Band von Tiefkühlpizzen zu ernähren, womit ich dann wieder den Bogen zur kalten Dusche weiter oben gespannt hätte und schließe mit der Feststellung: es gibt keine wohlschmeckende Tiefkühlpizza. Grundsätzlich sind die nämlich mit zuwenig Beilage und noch weniger Käse ausgestattet, wobei es nicht hilft, Käseschnippel aus dem Supermarkt nachzuschütten, denn der wird im Ofen einfach nur hart und knochentrocken. Außerdem schmecken Tiefkühlpizzen nie wirklich käsig-tomatig-salamig, sondern, kurz gesagt, scheiße. Was ja dann auch wieder passt, zu den solariumgebräunten Massentourismusveteranen.