Neues Business-Modell für die Musikindustrie: Filesharer verklagen

Nachdem am Donnerstag der erste in Amerika vor Gericht verhandelte Filesharing-Fall (gab's bei uns schonmal einen P2P-Fall, der wirklich verhandelt wurde?) mit einer Niederlage für Jammie Thomas zu Ende ging, muss sie nun 222000 Dollar zahlen, was einen Betrag von 9250 Dollar für jeden der 24 (!) getauschten Songs ausmacht.

Warum sollte sich die Musikindustrie und ihre Verbände nun noch mit iTunes und Konsorten rumschlagen, ob man dort einen Song mit oder ohne DRM für einen oder zwei Dollar verkaufen soll, wenn man nun einfach eine Armee von Anwälten auf die Filesharer loslassen kann und so die P2P-Netzwerke mit dem stolzen Preis von rund 9000 Dollar pro Song monetarisieren kann?

Die Häme der RIAA spricht jedenfalls Bände:

"This is what can happen if you don't settle," RIAA attorney Richard Gabriel told reporters outside the courthouse. "I think we have sent a message we are willing to go to trial."

[...]

At the time, BigChampagne says, there were about 3.8 million file sharers trading over the internet at a given moment. Now, the group has measured a record 9 million users trading at the same time. Roughly 70 percent of trading involves digital music, according to BigChampagne.

Nimmt man die aktuelle Anzahl der Filesharer (9.000.000) und derer 70 Prozent, die Musik runterladen (6.300.000), multipliziert diese mit dem Mittelwert von 24 Songs (151.200.000) und dann nochmal mit einem Preis von rund 9000 Dollar dann ergibt dies die unglaubliche Summe von 136.080.000.000 US-Dollar. Eine Summe die ich mir an Stelle der RIAA nicht entgehen lassen würde. Vor allem nicht, wenn sie nichtmal nachweisen muss, dass die Songs überhaupt von irgendjemandem runtergeladen wurden. Nichtmal, dass der Angeklagte überhaupt der beschuldigte Sharer ist.

In proving liability, the industry did not have to demonstrate that the defendant's computer had a file-sharing program installed at the time that they inspected her hard drive. And the RIAA did not have to show that the defendant was at the keyboard when RIAA investigators accessed Thomas' share folder.

Also, the judge in the case ruled that jurors may find copyright infringement liability against somebody solely for sharing files on the internet. The RIAA did not have to prove that others downloaded the files. That was a big bone of contention that U.S. District Judge Michael Davis settled in favor of the industry.

Und das lasse ich einfach mal unkommentiert dastehen. Hier noch die 24 Songs, jeder von ihnen pro MP3 9250 Dollar wert und die Anwesenheit von Journeys „Don't stop believing“ scheint mir der reine Zynismus. Mein iPod ist mit vier Songs aus der Liste demnach übrigens 37000 Dollar wert. Ich denk', ich probier's mal bei Ebay.

Guns N Roses "Welcome to the Jungle"; "November Rain"
Vanessa Williams "Save the Best for Last"
Janet Jackson "Let's What Awhile"
Gloria Estefan "Here We Are"; "Coming Out of the Heart"; "Rhythm is Gonna Get You"
Goo Goo Dolls "Iris"
Journey "Faithfully"; "Don't Stop Believing"
Sara McLachlan "Possession"; "Building a Mystery"
Aerosmith "Cryin'"
Linkin Park "One Step Closer"
Def Leppard "Pour Some Sugar on Me"
Reba McEntire "One Honest Heart"
Bryan Adams "Somebody"
No Doubt "Bathwater"; "Hella Good"; "Different People"
Sheryl Crow "Run Baby Run"
Richard Marx "Now and Forever"
Destiny's Child "Bills, Bills, Bills"
Green Day "Basket Case"

(via)