Suizid-Ente

17.09.2007 Misc #Storys

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Grade eben beobachtete ich eine Ente auf dem Main. Die schwamm fröhlich in der Drecksbrühe vor den Abfallbergen am Osthafen und tauchte munter nach Fischen, die in diesem Gewässer höchstens drei Sekunden lang überleben dürften. Dachte ich.

Und auf einmal war sie weg, die Ente. Abgetaucht und ersoffen, das arme Vieh. Ich suchte mit Argusaugen das Wasser nach ihr ab, doch nirgends sah ich ein Lebenszeichen des Federtiers. Eine Minuten, zwei Minuten. Die ist weg, dachte ich. Tatsächlich ertrunken, hat sich umgebracht, die Suizid-Ente. Ist ins Wasser gegangen wie Virginia Woolf. Kein Wunder bei der Drecksbrühe.

Und da tauchte sie auf, knappe zweieinhalb Minuten konnte das Vieh die Luft anhalten. Nicht schlecht, Herr Specht Frau Ente. Und was soll ich sagen? Sie hatte sich tatsächlich einen dicken, fetten Fisch geangelt, den sie nun umständlich in eine verschluckbare Position manövrierte und kopfüber verschlang.

Guten Appetit, Madame. Aber wechseln Sie mal öfter das Badewasser.