Die Saga der gequetschten Hoden - ein Drama in drei Akten

16.09.2007 Misc #BON #Storys

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Zu den unangenehmsten Erfahrungen im Leben eines Mannes gehören Unbequemlichkeiten im Genitalbereich. Die männliche Hälfte meiner werten Leserschaft heult jetzt schon laut vernehmlich auf. „Wohl wahr!“ Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe mir grade eben das linke Ei geklemmt.

Diese Eierklemmerei funktioniert sowohl beim Aufstehen aus der sitzenden Position, als auch beim Hinsetzen selbst. Bei ersteren klemmt sich das Ei, in meinem Falle soeben das linke, zwischen den unteren Rand der Unnerbux, man möge mir verzeihen, wenn mir der Fachbegriff desselben nicht geläufig ist, aber was habe ich mit Textilschnitten am Hut? Das linke Ei schob sich jedenfalls währen der gemütlichen Rumsitzerei unter den unteren Unnerbuxrand, welcher sich beim Aufstehen, das nötig war, um mir ein gepflegtes Pils zu holen, irgendwie zusammenzog. Das Ergebnis, wie oben bereits beschrieben: ein eingeklemmtes Ei.

Hui, da steht der Mann aber flugs ganz breitbeinig da, um dem geliebten Hodensack die geforderte Weitläufigkeit zu bieten. Schüttelt hier und da die vermalledeite Hose und ist verdammt froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Die Steigerung der Eierklemmung ist nämlich die Eierquetschung, welche sich vornehmlich beim Hinsetzen zuträgt.

In diesem Falle nämlich hat man es nicht mein ein wenig Textildings zu tun, das dem besten Stück ans Leder will, sondern dann ist es gleich das ganze, komplette Eigengewicht. Und so setzt man sich nichtsahnend und noch gut drauf auf einen Stuhl seiner Wahl, ich entscheide mich mal der Anschaulichkeit halber für meinen Bürostuhl, lässt sich fallen und verzieht schon im nächsten Moment gar bitterlich das Gesicht und quieckt vielleicht noch leise, weil es sich einer der beiden Kullerfreunde zwischen Arschbacke und Stuhl unbequem gemacht hat. Im schlimmsten Falle sind es sogar beide.

Da hebt man am besten sofort das Gesäß leicht an, baumelt die Eier in eine symmetrisch-mittige Position und setzt sich - vorsichtig! - wieder hin. Der Schmerz dieser typischen Eierquetschung ist ein wenig intensiver, als bei der Unnerbuxvariante der Eierklemmung, aber ebenfalls noch erträglich. Unerträglich ist nämlich die Eiermalträtierung durch Fremdeinwirkung, das von mir sogenannte Rührei.

Im Knabenalter von so zwölf hauen sich Jungs manchmal gegenseitig in die Eier. Dieses Verhalten ist und war mir schon immer zutiefst suspekt und hernach muss ich durchaus sagen, dass Jungs mit diesem Ritual eine psychologisch zutiefst verwurzelte, sadomasochistische Ader aufweisen. Noch viel unangenehmer ist es allerdings, wenn einer - in diesem Falle: ich - im Tor steht und einen Elfmeter genau, aber genau in die Klöten geschossen bekommt. Von einem, der schon jahrelang im Verein kickt. In den nächsten Minuten verortet man die Kronjuwelen irgendwo zwischen Magen und Speiseröhre und man stellt sich vor, wie sich der Inhalt der Nüsse im Magen verteilt. Eigentlich meint man, das gerührte Malheur jeden Moment auskotzen zu müssen. Und so lag ich würgend am Boden, hatte die Augen fest zusammengepetzt und hielt mir den Sack. Und meine Kumpels schmissen sich weg vor lachen. Diese Arschlöcher.

Zum Schluss bleibt mir nur, festzustellen: weder die Eierklemmung noch die Eierquetschung und erst recht nicht das Rührei ist in irgendeinem Falle ein angenehmer Zustand.

Wenn dieser Text keine neuen Erkenntnisse feilbietet, geht mir das munter am Hoden vorbei. Aber am rechten. Der linke hat noch Pause.