Prince verklagt das Web2.0

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Prince, the artist formerly known as cool, will nicht nur die üblichen Youtube und Piratebay verklagen, nö. Ebay will er auch gleich mit rannehmen. Grade Prince, der sich selbst gegen die Musikindustrie wehrte, indem er seinen Namen ablegte und unter Pseudonym auf Indie-Labels veröffentlichte, den Webby Lifetime Achievement Award für seinen NPG Club „in der Anerkennung seines „visionären“ Gebrauches des Internets“ erhielt, und jüngst mal wieder auf sich aufmerksam machte, weil er seine Platte „Planet Earth“ über eine Boulevard-Zeitung verschenken lies, die natürlich prompt im Internet landete. Wen wundert's?

Nun, scheinbar wundert es Prince. Denn der hat den Web Sheriff engagiert und dieser schlägt mit voller Kraft um sich:

2000 YouTube-Videoclips hat das britische Unternehmen Web Sheriff in den vergangenen Wochen im Auftrag von Prince löschen lassen. Alle seien ohne die Zustimmung des Popstars veröffentlicht worden - immer wieder. Web-Sheriff-Geschäftsführer John Giacobbi kritisierte die Google-Tochter YouTube im US-Onlinedienst Cnet scharf: "Am nächsten Tag sind wieder 100 oder 200 neue Clips online. Deren Geschäftsmodell ist es, Geld mit der kreativen Arbeit anderer zu verdienen." Deshalb werde man im Auftrag von Prince klagen.

Vorgehen will Web Sheriff gegen unerlaubt im Netz erhältliche Videos, Musikdateien, Konzertmitschnitte, Merchandise-Artikel und Klingeltöne. In einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, wirft Prince vor allem YouTube Untätigkeit vor: "Sie können eindeutig pornografische Inhalte sperren, scheinen aber widerrechtliche Musik- und Filminhalte nicht zu filtern, die Kern ihres Geschäftserfolgs sind." (spOn)

Mein lieber Schollie Prince, ich empfehle Dir die Lektüre meiner losen Serie von Artikeln über das Copyright und das Internet. Weisst Du, die beiden passen einfach nicht zusammen. Du verklagst nun also das halbe Internet, weil es Dir die Macht über dein geistiges Eigentum nimmt. Nun, willkommen in der Realität. Künstler verlieren im Internet die Macht über ihr Werk, es wird allgemeines Gut, wird gemasht und kopiert, bis die Fetzen fliegen. Kreatives Chaos, über das Du keine Kontrolle hast.

Und das wurmt Dich. Kann ich gut verstehen.

Ich weiß nicht, ob es Prince tatsächlich um die Urheberrechtsverletzungen an sich oder um die Tatsache geht, dass Google mit diesen Geld verdient. Vielleicht hat es ihn aber auch tatsächlich angepisst, dass die verschenkte CD in den Tauschbörsen landete, was den kompletten 180°-Turn erklären könnte. Der Prince-Flip sozusagen.

Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Rundumschlag einen ähnlichen Impact entwickelt, wie Metallicas Napster-Klage, die den Anfang vom Ende des zentralisierten P2P darstellte. Tatsächlichen Erfolg mit seiner Klage wird Prince, genau wie Metallica, auf lange Sicht natürlich nicht haben. Selbst wenn Youtube seine Filter so fein justiert, dass tatsächlich keine Live-Mitschnitte oder Musikvideos hochgeladen werden, dann weichen die Nutzer auf andere Angebote aus. Und wenn diese filtern, dann wird eine neue Technik entstehen.

Ich bin gespannt, wann die Rechteinhaber angesichts des Internet einsehen, dass sie das Rennen gegen den Igel immer und immer wieder verlieren werden.

(via)