Zwei Momentaufnahmen

13.09.2007 Misc #Storys

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Die Sonne leuchtet über dem Land. Am Bahnsteig stehen acht Menschen. Zwei Schülerinnen erzählen sich den neuesten Tratsch, ein junger Mann im Anzug und korrekt kurzgeschnittenem Haar studiert Papiere. Auf dem Acker gegenüber hüpfen ein paar Rabem herum und am zwanzig Meter hohen Schild des Warenverramscher-Supermarkts werden Reparaturarbeiten durchgeführt. Der Verramschladenbesitzer ist damit reich geworden, dass er Versicherungsschäden billig aufgekauft hat. Heute verramscht er Billigware aus Fernost. Zwei Männer stehen auf einem weißen Kran und schrauben.

Aus knackenden Lautsprechern krächzt eine Stimme, dass ein Zug in Kürze auf Gleis Eins einfährt. Der Kastanienbaum wirft seine Kugeln weg und weil er direkt neben der Straße steht, knallen sie auf den Asphalt, gießen ihre braunen Murmeln auf die Fahrbahn, wo sie entweder von alten Frauen und kleinen Kindern aufgesammelt oder plattgefahren werden. Die Straße unter dem Baum ist ein Schlachtfeld. Eine Omi führt ihren Hund auf die Grünfläche zum scheißen. Diese Wiese wird von niemandem betreten, seit Jahren nicht. Alles voller Hundekacke und Kastanien, beide geben der Wiese einen bräunlichen Stich.

Die Raben fliegen davon. Die Sonne scheint wie im Frühling, nur anders, weil der Herbst das Licht verändert. Der Zug kommt. Ich trete meine Kippe aus und steige ein.

*** schnipp ***

Die beknackte Straßenbahn hat Verspätung. Und ich meine nicht eine oder drei oder siebeneinhalb Minuten, nein: 25 Minuten soll ich jetzt vor dem Hauptbahnhof rumstehen. Ein Unfall. Ich wäge ab: die U-Bahn nehmen und eine Viertel Stunde laufen? Oder 25 Minuten vor dem Bahnhof warten? Oder ein Taxi? Zu teuer. Zum latschen zu faul wartest Du, lässig ans Geländer gelehnt schlürfst Du Deinen Kaffee, beobachtest die IAA-Hostessen, von denen heute einige unterwegs sind.

Der Bahnsteig läuft über vor Leuten, die allesamt ungeduldig warten. Ein Postmann lehnt auf seinem Briefgefährt, schüttelt abwechselnd den Kopf und blickt ungeduldig auf die Uhr. Grauhaarige IAA-Geschäftsmänner in Sackos schauen den IAA-Hostessen auf die Ärsche. Seit wann habe ich etwas mit grauhaarigen Geschäftsmännern in Sackos gemeinsam? Mittlerweile versteckt sich die Sonne hinter ein paar Wolken.

Die IAA fand ich schon immer beknackt.