Der elfte September und die Folgen

Der letzte Artikel beim Spiegelfechter ist mir zu schade für die Links:

Die größte Bedeutung hatte 9/11 nicht etwa für die Außenpolitik, sondern für die Sicherheits- und Innenpolitik. Heute benötigt es keine Trümmer der Twin-Towers mehr, um Angst vor einem virtuellen „Terrorismus“ zu sähen und das Volk für die nächste Stufe von „Sicherheitsgesetzen“ vorzubereiten – heute reichen ein paar blaue Plastikfässer mit unbekanntem, jedoch angeblich gefährlichem Inhalt. Sowohl in den USA als auch in Europa herrscht ein Klima der abstrakten Furcht, das schamlos von Politik und Medien geschürt wird. Mit dem Verschwinden des großen Feindbildes „Kommunismus“ liefen die Menschen Gefahr, zu erkennen, was sie und ihre Träume vom Leben wirklich in ihrer Freiheit bedroht – ein System, dass gar nicht so frei ist, wie einem immer erzählt wurde und keineswegs so gerecht, wie es sich selbst regelmäßig feiert. Menschen ohne Angst sind schwer zu regieren, da kam 9/11 wie gerufen, um ein neues Feindbild zu erschaffen, dass instrumentalisiert werden kann: Der islamistische Terrorismus – keinesfalls etwas neues, russische Soldaten in Afghanistan, israelische Jugendliche in Diskotheken und amerikanische Botschaftsangehörige in afrikanischen Staaten hatten schon Erfahrung mit diesem „Phänomen“ machen müssen. „Islamistischer Terrorismus“ und das Weltbild der NeoCons, waren das ideale Paar. Beide sahen sich vom Liberalismus bedroht, beide brauchten einen Feind und beide fanden ihn. Dies wird übrigens in der Dokumentation des Briten Adam Curtis „The Power of Nightmares“ umfassend dargelegt.

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Der Terrorismus hat trotz seines „Nichtvorhandenseins“ allerdings gesiegt – und das fast ohne eigenes Dazutun. Die westlichen Eliten haben es geschafft, das zu erreichen, was der Terrorismus ohne sie nie geschafft hätte: Sie haben das westliche Wertesystem zerstört. Sie haben es geschafft, dass der Westen foltert, seine ureigenen Bürgerrechte in Frage stellt und teilweise abschafft, im Bürger (also in sich selbst) eine Bedrohung sieht, ihn zuallererst als potentiellen Täter sieht.

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Dass eine Clique von großmannssüchtigen Imperialisten die Weltgeschichte ändern wird, war historisch vielleicht unvermeidlich und wäre auch ohne 9/11 passiert. Dass der Westen ohne Not seine ureigensten Werte auf dem Scheiterhaufen der Paranoia verbrennt, ist indes die wahre Tragödie, die ohne 9/11 nicht denkbar wäre.

Danke, Jens.