Woher kommt eigentlich die Kraft, der Mut, die Wut,

09.09.2007 Misc #Storys

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wenn man nachts angetrunken heimmarschiert?

Warum latscht man sonst nur so dahin, elendig lahm? In den benebelten Nächten, in der Stille, die nur von den eigenen Schritten oder der Musik aus dem Walkman zerrissen wird, habe ich alle Kraft der Welt und vielleicht ist es dumm, das als Mädchen zu sagen, aber: Ich habe nie Angst, wenn ich nachts allein heimlaufe. Zumindest nicht, sobald ich in meiner Gegend bin. Da kann mir keiner was!

Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, daß da ein Spinner versucht, eine an sein Auto zu locken, daß dunkle Gestalten in Hauseingängen lauern, daß ...

Angespannt mit jeder Faser meines Körpers, sneakerstragend und jeden Moment auf dem Sprung, bin ich nachts alles andere als das Opfer, das schmierige Arschlöcher gern in Frauen sehen. Ich bin jung und schnell und nie so besoffen, daß ich nicht immer noch das letzte Bißchen schneller wäre als der Schatten hinter mir. Und wenn es sein muß, bin ich auch laut und brutal und trete solange auf den Typen ein, der eben ein Mädchen in einen Hauseingang der Brückstraße gedrängt hat, bis er auf dem Boden liegt, weil sonst keine Hilfe kommt und sie jammert und weint.

Dennoch glaube ich immer noch: Schrebergärten und Eßzimmer sind gefährlicher als die Straße. Das wahre Grauen liegt in der Familie, bei Bekannten, die einen belauern, bei Onkeln, die die Ehefrau seit Jahren mit dem Arsch nicht mehr angucken und lieber zum Foto der zwölfjährigen Nichte abspritzen, bei abgewiesenen Verehrern, bei all den enttäuschten Zukurzgekommenen, die das Leben verbittert hat.