Warum die Blogosphäre ein Ranking braucht

Gepostet vor 9 Jahren, 25 Tagen in Misc Share: Twitter Facebook Mail

Die Schließung von Blogscout hat die deutsche Blogosphäre von einem tagesaktuellen Ranking „befreit“. Blogcounter.de und Bloggerei.de sind für mich keine Alternative. Ich habe keine Lust, in einem Ranking aufzutauchen, in dem Porno-Blogs in dem einen, Muhaha-Blogs auf der anderen Seite die ersten Plätze belegen. Die Metaroll vom Poplog erscheint mir wie eine zweite Auflage des Ansatzes der deutschen Blogcharts, nur dass wohl Blogrolls noch seltener aktualisiert werden, als Links bei Technorati rausfliegen. Dirk Olbertz Entschluß erscheint allerorten nachvollziehbar und ich danke ihm für die ganze Arbeit, die er sich gemacht hat.

Aber.

Der Wegfall einer Topliste, auf die sich zwar nicht alle, aber doch die meisten, zumindest die von mir wahrgenommenen Blogs einigen konnten, hinterlässt ein Vakuum. Ich bin auf Google Analytics umgestiegen, weil mir meine Zahlen eben nicht egal sind. Die sind konstant, gut und schön – dennoch fehlt mir der Vergleich, ich will wissen, wo meine Blogkollegen zahlenmäßig stehen (und wie weit ich über ihnen.. har har!). In dieser Hinsicht fliegen wir im Moment alle ziemlich blind durch die Blogosphäre.

Strappato meint dazu:

Die Abschaltung von blogscout wird noch ungeahnte Wirkung entfalten, obwohl Dirk allgemeines Verständniss entgegengebracht wird. Diese relativ umfassende Ranking-Liste war das einzige Relevanzkriterium, die gerne auch von Medien benutzt worden ist. Nun kommt das Vakuum, da es in den letzten Jahren nicht gelang, “Blogleuchttürme” mit über die blogger-Szene herausragender Bedeutung zu etablieren.

Das ist korrekt. Wir schwimmen derzeit „zurechtgestutzt“ auf den Status einer schnöden Website im Internet. Tagesaktuelle Charts, eine Liste, die einen guten Teil der Blogosphäre erfasst, ist ein Kitt, dessen im positiven Sinne bindende Wirkung man nicht unterschätzen sollte. Klar, wir haben die Blogcharts. Doch die sind kurzfristig zu behäbig und reagieren eben nur im Technorati-Takt. Halbjährlich. Im Internet eine halbe (sic!) Ewigkeit.

Soweit ich Dirk richtig verstanden hatte, war die Liste quasi händisch gefiltert. Spamblogs wurden rausgeschmissen genau wie der Rest vom Abschaum, sein Alghorithmus (den keiner verstand) zeigte die Blogs, bei denen im Moment die Party stieg. All das ist vorbei und ich vermisse es. Ich habe durch einen Klick aus „Long Tail“ so manches kleine Blog gefunden. Jetzt muss ich mich auf gut Glück durch die Blogrolls wühlen. Ich vermisse den Blogscout und auch wenn Dirk ihn als zu unvollständig wahrgenommen hat: mir schien das der vielversprechendste Ansatz. Der ist nun weg.

Schade.

Und jetzt hätte ich gerne einen adäquaten Ersatz.

[nachtrag] Warum die Blogosphäre kein Ranking braucht:

Was den sogenannten Longtail angeht, seien wir doch mal ehrlich: Man braucht nun wirklich keine Charts, um Blogs aus dem Longtail zu fischen und für interessant zu befinden. Ich lerne neue Blogs zu 90% aus Empfehlungen alter Blogs kennen. Der Rest ergibt sich durch zufälliges Herumstöbern, oder über Suchmaschinen. Auf welchem Platz sie in irgendwelchen Charts stehen, interessiert dabei mal überhaupt nicht.

... kann man natürlich auch so sehen...

Anne: dieses wettbewerbsfeeling kann zum größten teil nur negativen einfluss auf das blogverhalten desjenigen haben bzw. dass soetwas überhaupt das bloggen beeinflussen kann, finde ich nicht gut.

Fonsi:

Es gab ein paar spannende Dinge, die man beim Counter beobachten konnte: Tatsächlich gibt es manchmal Peaks, und manche früher bekannten Blogs verlieren oder gewinnen kontinuierlich an Leserschaft. Insgesamt aber hat sich in der Zeit von Blogscout gezeigt, dass die “Leuchttürme”, die grösseren Blogs, kaum mehr wachsen. Bildblog, Spreeblick, mein Rebellmarkt, Riesenmaschine, das alles dümpelt schon länger auf einem gewissen Niveau, oder verliert sogar an Leserschaft. Nach meiner Auffassung ist das ok, die Blogosphäre ist so gross, da ragen die alle eh kaum heraus, es sind bedeutungslose Zwerge unter hunderttausenden, denen es wurscht ist, was die da machen. Das Ding, in dem wir uns bewegen, ist dezentral, anarchisch und braucht keine künstliche Hierarchie, um zu existieren.

[...]

Das Ende von Blogscout wird alle wieder zwingen, auf die eigene Qualität zu achten, wenn sie unbedingt vorne sein wollen - die bequeme Topliste, an deren Spitze man sich einrichtet und die Leser beschert, ist Geschichte. Und darf es auch gerne bleiben.

Kann ich auch nachvollziehen... hmmm...

Tags: Blogs

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