Falls Bryan Adams weiße Hosen trägt, ist dieser Text obsolet. Wenn nicht, dann nicht.

03.09.2007 Misc Music #Storys

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Es gibt wohl niemanden, der freiwillig zugeben würde, Bryan Adams toll zu finden. Solche Leute sind selten und meistens versteht man, wenn man einen dieser Zeitgenossen trifft, warum sich die Mehrheit der Musikliebhaber lieber von ihnen distanziert. Nun ist es mitnichten so, dass ich Bryan Adams toll finde. Aber ich oute mich hiermit: er hat ein paar Songs gemacht, die gut waren. Und ich meine tatsächlich ein Paar. „Run to you“ und „Summer of 69“ sind zwar vom Formatradio totgespielte Zombies, aber dennoch kann man den beiden eine gewisse Qualität einfach nicht absprechen. Selbstverständlich ist dies eine mainstreamige, glatte und einfache Qualität, aber sie ist da. Wer in GTA Vice City mit einer Viper in den Sonnenuntergang fährt und dabei „Run to you“ hört, weiß ganz genau was ich meine.

Dieser Song nämlich verkörpert neben Bruce Springsteens „Born in the USA“ und Don Henleys „Boys of Summer“ die Achtziger. Natürlich gäbe es noch mehr Mainstream-Pop, die dieses Jahrzehnt prägten. Für mich sind es aber vor allem diese drei. Das sollte man nicht vergessen, wenn der olle Bryan mal wieder als Beispiel für schreckliche Musik herhalten muss. Ich hob jedenfalls neulich den Finger, als mal wieder auf dem vernarbten Kanadier rumgehackt wurde und sagte: „Ja. Aber 'Summer of 69' und 'Run to you' sind gute Songs, daran ändert auch die Tatsache nix, dass 'Summer of 69' auf allen Dorffesten fünfmal am Abend neben Wolle Petry erklingt.“

Wenn man solch einen Satz von sich gibt, ersterben alle Gespräche im Umkreis von 20 Metern. Im Großraumbüro eine unüberhörbare Angelegenheit, da kann man die Post-Its fallen hören, so still ist es in solchen Momenten. Der Wind pfeift durch die Ritzen und es fehlt nur noch ein toter Busch, der über die staubige Gasse in Zeitlupe entlangrollt, kurz vor dem Showdown. Man könnte auch gleich sagen: „Vom Spülmaschinenausräumen bekomme ich eine Mordserrektion“ Oder sowas. Der Effekt wäre derselbe.

Zu unerhörten Sätzen, die keiner auch jemals nur von sich geben sollte, gehören ja auch „Ich finde AC/DC mit Brian Johnson viel besser als AC/DJ mit Bon Scott“ oder „Seit ABBA sollte es jedem verboten sein, weiße Kleidung zu tragen“. Da wäre erstmal Ruhe im Puff bei diesen provokatösen Satz-Hämmern. Man könnte sich aber der Bewunderung seiner Mitmenschen sicher sein, garantiert. „Man, hat der Eier“ schwebt da die Gedankenblase im Büro, gleich neben „Ich würde sowas ja nie zugeben, aber der Mann hat Recht“. Denn sind wir mal ehrlich: Menschen in weißer Kleidung sind suspekt und weiße Hosen rangieren auf der Suspektionsskala in unerreichten Höhen.

Sollte Bryan Adams übrigens jemals weiße Hosen getragen haben, nehme ich alles zurück. Dann ist sogar ein Song wie „Run to you“ vergebene Musik-Müh.


(Youtube Direktrun)