Kulturkampf Musik

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Jetzt habe ich mich also endlich mal durch den kompletten Artikel der Visions gequält gelesen, von dem ich auf den ersten paar Seiten dachte, er sei retroromantischer Quark, der Fanzines und Plattenläden nachheult. Ist er ja auch. Aber er lässt auch eben ein paar Stimmen zur Sprache kommen, die die Situation ganz pragmatisch beurteilen und sagen, wie es ist: Tauschbörsen sind da und gehen nicht mehr weg, die Umsätze brechen immer weiter ein, Labels müssen Leute entlassen.

Schön finde ich ja, dass man - quasi als Zeichen und Bekenntnis zu „Online“ - den Artikel zum Download anbietet und gleichzeitig ein Forum eingerichtet hat. So wirklich diskutiert wird da aber nicht. „Na klar habe ich schonmal runtergeladen, aber wenn mir eine Platte gefällt, kaufe ich sie.“ So dort der Grundtenor. Erfrischend ehrlich ist dann mal einer, der meint:

Ich habe mir seit Ewigkeiten keine CD mehr gekauft. Seit mindestens 5 oder 6 Jahren nicht.

Tatsächlich ist es doch so: auch wer sich öffentlich zum Modell „Musik als Produkt“, also den legalen Kauf, bekennt, der saugt doch Filme und Musik, sagt das aber nicht. Passt ja nicht zur Haltung. Ich muss meine Meinung zu dem ganzen Themenkomplex, denke ich, nicht nochmal darlegen. Wer hier nicht erst seit heute liest, weiß, dass ich dafür plädiere, der kompletten Technologie endlich einen legalen Rahmen zu geben. Am besten mit einer Pauschalabgabe beim Provider, beispielsweise beim Überschreiten einer bestimmten Datenmenge.

Ungefähr so in Frankreich:

Die Rechteinhaber preschen in den DSL Markt vor. Jedenfalls in Frankreich. Dort gibt es jetzt zum DSL Anschluss (bei Neuf Cégétel) ein Genre Musik von Universal umsonst.

Der Artikel in der Visions geht natürlich noch ein Stückchen weiter und spricht auch Themen wie Single vs. Album oder Fanzine vs. Blogs an. Ich kann mit Singles gut leben, selten höre ich komplette Alben - meistens beim ersten kompletten Durchlauf. Und ein Fanzine habe ich selber gemacht, irgendwann Anfang der Neunziger. Nerdcore ist quasi die Fortführung davon.

Mich würde es freuen, wenn der technologische Wandel einfach als solcher Begriffen würde, der natürlich eine Menge umwälzt, aber eben auch nicht aufzuhalten ist. Ich denke, viele sehen das ähnlich. Die schleppende Diskussion im Forum dort könnte man jedenfalls so deuten.