Apiophobiker

Die Apiophobie ist die Angst vor Bienen. Wenn ich eins dieser nützlichen, emsigen, fleißigen Viecher heransummen sehe, werde ich steif wie ein Stock und rühre mich nicht mehr. Ich weiche nur noch aus und renne ein paar Schritte. Leider haben die Viecher die lästige Angewohnheit, einem zu folgen und deshalb sieht man im Sommer öfter Apiophobiker steckensteif durch die Straßen rennen. Spheksophobiker bin ich noch dazu. Das ist nämlich die Angst vor Wespen und die sind kein Stück besser.

Bienenstiche sind kein Spaß. Als Kind bin ich in Scherben getreten, in Hundekacke und in Bienen und eine Wespe. Die Wespe hat mit Abstand am meisten weh getan und ich bin mit verkniffenem Gesicht zurück nach Hause gehumpelt. Aber das war ein Scheißdreck gegen das, was mir die schwarzgelben Viecher noch einbrocken sollten.

Bekanntermaßen sind genau die Regionen des Körpers besonders schmerzempfindlich, die recht geschützt gelegen und nicht den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt sind. Die Achseln zum Beispiel. Die Kniekehle. Solche Sachen. Nun begab es sich in einem Sommer vor ungefähr 25 Jahren - ein scheiß komplettes Vierteljahrhundert... jetzt fühle ich mich so... alt! -, da war Klein-René draußen spielen. Mit Tina und ein paar anderen, deren Name ich vergessen habe. Den Namen von Tina weiß ich deshalb noch, weil sie ein paar Jahre älter war und einen Busen hatte, der jeder Beschreibung spottet. Ich sage nur Kürbisklasse. Echte Melonen.

Wir diskutierten grade, ob ich ein Vampir oder Dracula höchstselbst sei, weil meine Eckzähne (auch heute noch) bemerkenswert lang geraten sind. Also redeten wir hin und zurück darüber, dass ich doch lieber ein Werwolf wäre, woraufhin Tina meinte, dazu müssten aber meine unteren Eckzähne außergewöhnlich lang sein, was sie nicht sind. Beleidigt stampfte ich auf: „Ich will aber kein scheiß Vampir sein“ maulte ich rum, als ich ein Brummen und ein seltsames Gefühl in meinem Ohr wahrnahm. Gemäß der Logik, das könne ja nur Ohrenpopel sein, visierte ich in sekundenschnelle mit dem Zeigefinger meine Ohrmuschel an, fuhr hinein, um mit einem beherzten Schlenker das gelbe Gedöns herauszupulen als die Kackbiene zustach.

Ins Ohr.
So richtig tief innen drin.
Was hab ich geschrien.

Ich wusste nur: da zuckt was in deinem Ohr. Das lebt. Und es beisst. Und dann schrie ich noch mehr und rannte nach Hause. So schnell war ich vorher und nachher nie wieder.

Meine Eltern schafften es schließlich mit einem Stemmeisen meine Hand von meinem roten, malträtierten Ohr zu entfernen, das mittlerweile tote Viech mit einer Pinzette herauszupulen und hernach den Stachel zu entfernen. Geschwollen war nix und hören kann ich heute auch noch sehr gut.

Aber wenn mir eins von den Mistviechern zu nahe kommt, dann geht mir der Arsch auf Grundeis. Denn es gibt noch so viele tolle Popsongs zu hören, da kommt mir keine Maja dazwischen. Garantiert nicht. Und deshalb bin ich mit Fug und Recht und Stolz Apiophobiker. Vielleicht sollte ich mir ein T-Shirt drucken.

Ich weiß schon jetzt, dass die Kommentare garantiert eher von Melonen und Kürbissen handeln werden, als von Bienen. Der Mensch an sich ist so - berechenbar!