Quitschbunt mit Glitzer

Heute morgen saß mir mein persönlicher, weiblicher Albtraum im Zug gegenüber. Dieses Grauen in Frauengestalt kann man gar nicht weit genug verachten und gebannt starrte ich dieses Wesen von Kopf bis Fuß an, blieb mit meinem Blick natürlich an den üblichen verdächtigen Stellen hängen, aber auch das konnte den Anblick, der sich mir da bot, nicht erheblich verbessern. Mir stellten sich alle Haare zu Berge, mein Magen wand sich in Übelkeit und ich sah Sterne vor den Augen. Und das meine ich wörtlich.

Diese Frau war übersät mit Glitzerzeug. An den Schuhen, auf den Fingernägeln, auf den Augenbrauen, auf der Sonnenbrille: überall glitzerten kleine Sternchen um für süß befunden zu werden. Die Schuhe, man glaubt es kaum, waren aus Kuhfell und neben Glitzersternchen mit Perlen behangen. Die Hose enganliegend und hellblau, das Oberteil ebenso. Die Schminke, aaaaah, die Schminke. Grell aufgetragen, die Lippen glänzten in der Sonne, die Augenlieder verklebt von hellem Tinnef, die Wimpern so dick wie die borstigen Haare, die Jeff Goldblum in „Die Fliege“ aus dem Rücken wachsen.

Und nun kommen wir zu den wirklich grausamen Dingen.

1.) Sie kaute Kaugummi, eine Angewohnheit, der ich persönlich nicht nachkomme, die ich aber normalerweise nicht weiter beachte. Die aber, oh, die kaute nicht, die malträtierte das arme Gummiteil mit ihren Kiefern, als sei es ein Basketball und sie Michael Jordan. Und sie schnallzte alle zwei Sekunden mit dem Ding, man hätte ihr eigentlich in den Mund greifen wollen, um das Ding aus diesen Fängen zu befreien. Ständig sauste die Zunge hervor und wickelte dieses Gummi um dieselbe, verschwand wieder in ihrem grelldick geschminkten Mund um zwei Sekunden danach wieder von vorne anzufangen. Die Hektik dieser Veranstaltung ist mit Worten nicht wirklich wiederzugeben.

2.) In ihrer linken Hand hielt sie ein Handy und tippte mit ihren mit grellbunten Mustern bemalten Fingernägeln zentimeterlangen, gebogenen Krallen drauf herum. In ihrer rechten Hand hielt sie ein Handy und tippte mit ihren mit grellbunten Mustern bemalten Fingernägeln zentimeterlangen, gebogenen Krallen drauf herum. Ich weiß ja, dass Frauen im Gegensatz zu Männern multitaskingfähig sind, aber das grenzte doch an Men-in-Blacksche Operatorfähigkeiten. Wenn die in einem Call Center arbeitet, dann ist sie sicherlich der King im Ring, der T-Rex der Hoppelhäschen.

Und in den langen, schwarzen Haaren steckte eine verspiegelte Sonnenbrille mit Glitzerkram. Dass aus ihrer Tasche eine GroßeBuchstaben-Zeitung ragte, vervollständigte das Bild schließlich zu einem Gesamtkunstwerk, wie ich es im Leben noch nicht erblickt habe. Ich starrte auf dieses Wesen Ding nichtswissende Müllhalde wie auf einen Autounfall. Das Spiel ihrer Zunge mit dem Kaugummi vermischte sich mit dem Klickern und Klackern ihrer bunten Fingerkrallen auf den Handytasten zu einer Kakophonie des Grauens, ich litt, ich fing an zu zittern und drückte mich an die Zugwand, kratzte am Fenster und wimmerte leise vor mich hin. Doch sie kannte kein Erbarmen. Kaugummi. Handy. Glitzer. Klickediklackschnalz, argh!

Jetzt, da ich entkommen konnte - ich nahm am Bahnhof schreiend die Beine in die Hand - bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mir dieses Wesen nicht einfach eingebildet habe. Man möge mir bitte glauben: die großen Alten aus der Lovecraftschen Mythologie sind ein Scheißdreck, gegen diese Bling-Kaugummi-Handy-Tussi des Todes. Keine Nagelstudio-Besitzerin könnte jemals dieses Niveau unterschreiten. Ich weiß nicht, ob dieses Wesen ein Arschgeweih eintätowiert hatte, passen würde es allemal. Was ich weiß:

Sie hörte Hip Hop.

[nachtrag] Oha, die Kleine hatte sich in mich verguckt. Tja, tut mir leid, Baby. Aber mit uns, das wird eher nix...