Gutmensch

Ich verwende weder das Wort „schwul“ für blöde Dinge, noch bezeichne ich Schwarze als „Neger“. Ich finde Atomkraft nicht besonders vertrauenswürdig und ich grüße jeden Morgen die verschleierte Frau und ihre drei Kinder, die sich jedesmal wundert, vielleicht, weil ich in unserem Kaff der einzige bin, der das tut. Dieses Verhalten nennt sich „politisch korrekt“ und wenn ich mir anschaue, was unter dem Label „Politically Incorrect“ veranstaltet wird, dann bin ich verdammt stolz darauf.

Unter Freunden, da ist das etwas anderes. Da gibt es die zwinkernden Augen, das verschmitzte Lächeln. Im Internet ist all das nicht da. Ironie funktioniert nicht, sobald die soziale Interaktion auf Text und Zeichen beschränkt ist. Und auch ein Ironie-Tag funktioniert nicht, denn der Zweifel bleibt, am Witz, an der „Ironie“. Wenn der Blick in das Auge des Gegenübers fehlt, ist es unmöglich, die wahre Intention eines Beitrages zu entschlüsseln, außer, er ist klar und deutlich formuliert. Ironie schließt sich damit aus, denn sie ist per se verschlüsselt.

Trolle gibt es zuhauf, so auch hier, und sie verkennen eines: nur weil die soziale Interaktion auf Zeichen beschränkt ist, stecken dahinter doch echte Menschen mit all ihren Gefühlen. Auf diesen in der Form herumzutrampeln, dass man annimmt, das Gegenüber könne den Code doch sicherlich entschlüsseln, ist zutiefst arrogant. Denn solche Codes lassen sich, wie schon gesagt, ohne echte soziale Interaktion nicht dechifrieren.

Und deshalb werde ich die Kommentare hier demnächst strenger moderieren. Wer meint, hier Rotten.com-Content posten zu müssen, auf sensible Themen mit haha-ironischen Kommentaren zu reagieren müssen, der bekommt entweder eine direkte Abfuhr oder der Kommentar wird gelöscht.

Das sind die neuen Spielregeln. Gewöhnt Euch dran.