Ausgekräht

23.07.2007 Misc #Storys

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Als ich heute morgen meinen Weg zum Bahnhof bestritt, begegnete mir eine Krähe, die gänzlich plattgefahren ihre Eingeweide auf dem Asphalt verteilte. „Uärks“ dachte ich da bei mir, doch irgendwie passte das Szenario zum heutigen Montagmorgen. Da könnte man ein paar Buchanfänge draus stricken.

Zum Beispiel: An diesem wolkenverhangenen Montag lief Harry zum Bahngleis 3¼ und sah eine plattgefahrene Krähe am Wegesrand, deren Eingeweide sich auf dem Boden verteilten.

Oder: Die Krähe glotzte mich mit ihren toten Augen an und mir wurde kotzübel beim Anblick der weißen und roten Innereien, die seitlich aus dem Körper des zermatschten Vogels quollen.

Oder: Als der Regen langsam einsetzte, sah Reinhold aus den Augenwinkeln, wie sich eine Katze langsam diesem toten Vogel näherte, desses Federn wirr in alle Richtungen abstanden. Sie setzte sich auf die Straße und beäugte neugierig das leblose Ex-Federtier.

Auf was einen tote Vögel so alles bringen. Ich jedenfalls verdrängte den Gedanken an den frischen Tierkadaver auf der Straße und widmete meine Gedanken dem grade losregnendem Regen, der langsam aber sicher an Fahrt aufnahm. Just, als aus Niesel richtige Tropfen wurden, kam die S-Bahn mit einer Verspätung von genau sechs Minuten, ich entfleuchte dem Unwetter ins trockene Innere, fuhr mein Powerbook hoch und begann, von toten Vögeln zu tippen, doch das Elend nahm kein Ende, denn es sind Semesterferien, oder täusche ich mich? Jedenfalls waren heute morgen sämtliche hübschen Mädchen aus dem Stadtbild entfernt, oder sie versteckten sich vor mir, was bei meiner Montagslaune heute auch nicht so unwahrscheinlich ist.

Und dann stehen drei Menschen beim Brunchman, einem mobilen Brötchenverkaufsdingsbums mit A-Team-Soundtrack, und bestellen doppelt und dreifach, weil sie, haha wie witzig, ständig ein Käsebrötchen vergessen. Doch schließlich war ich an der Reihe, kaufte mir das extra für mich zurückgelegte Mett-Brötchen. Und nun sitze ich vor einem Brötchen belegt mit gehackten, rohen Fleisch und muss an die tote, zermantschte Krähe denken und fürchte, das Mettbrötchen bekomme ich heute nicht runter.

Montagmorgen, wie ich sie hasse.