Scheibchenweise

Ein wenige Freibad-Horror, solange das Wetter noch so ist, wie es ist.

Als ich die Scheiben herunterkommen sah und begriff, was sie waren, wer sie waren, umfing mich die rote Schw?rze. Dabei hatte alles so gut angefangen.

***

Da vorne, bei den M?dchen, sa? Becky auf ihrem Handtuch und fl?sterte ihrer Freundin etwas ins Ohr, woraufhin beide kicherten und zu mir hersahen. Geschwind sah ich weg, Becky durfte auf keinen Fall erfahren, dass ich in letzter Zeit eine gewisse Faszination f?r sie hegte. Wir waren jetzt in der sechsten Klasse und Becky wuchsen Br?ste. Ich wusste noch nicht genau, warum mich dies und ihr blondes Haar so sehr faszinierten, aber ich wusste: wenn sie davon erfuhr, w?re das echt peinlich f?r mich.

In den gro?en Sommerferien fuhren wir jeden Tag mit dem Rad ins Schwimmbad und legten uns immer auf die gleichen Pl?tze mit den gleichen Handt?chern, a?en zuviel k?nstlich gef?rbten Puffreis und planschten im Becken, warfen Frisbees ?ber die riesige Wiese oder warfen uns johlend in die Wasserrutsche.

Wei?t Du, was vor ein paar Jahren mal in einer Wasserrutsche passiert is'? fragte mich Joe, mein bester Freund, ein Jahr ?lter und wenn es stimmte, was er sagte, hatte er schonmal einem M?dchen an die Br?ste gefasst. Aber ich glaubte ihm kein Wort.

Was meinst Du?
Na da, wie in so einer Wasserrutsche! sagte er und deutete auf das geschwungene Unget?m 50 Meter entfernt. Die Rutsche war circa 10 Meter hoch und wand sich durch Kurven und Kreisel bis nach unten ins Becken, wo es in regelm??igen Abst?nden quiekende Kinder ausspieh, die lachend ins Wasser plumpsten. Eins nach dem anderen. Man h??rte die Kinder in der Rutsche rumpeln und das Wasser spritzte jedesmal in die Luft.

Was soll da mal passiert sein?
In den Ritzen, zwischen den Teilst?cken, haben sie mal Rasierklingen gefunden... grade noch rechtzeitig, bevor einer runtergerutscht ist... Stell Dir mal vor, was das f?r eine Sauerei gegeben h?tte...
Echt?
Na klar, echt. W?rde ich Dir etwa Schei?e erz?hlen?
Ich mein' ja nur sagte ich und blickte zu Becky her?ber, die mit ihren Freundinnen angeregt ?ber irgendein M?dchenthema redete.

Wetten, Du traust Dich nicht? fragte Joe.
Was?
Na, runterzurutschen. Jetzt traust Du Dich nicht mehr.
Quatsch.
Na dann mach doch.

Zugegeben, der Gedanke an Rasierklingen in einer Wasserrutsche war nicht besonders motivierend, aber ich konnte jetzt auch keinen R?ckzieher machen und sowieso war das nat?rlich nur erfundener Quatsch, genau wie die Geschichte, laut der er einem M?dchen aus der achten Klasse hinter der Sporthalle an die Br?ste gefasst h?tte.

Du spinnst ja sagte ich, stand auf und zog mein T-Shirt aus. Mir wuchsen bereits zwei Haare um die Brustwarzen, worauf ich m?chtig stolz war. Selbst Joe konnte da nicht mithalten, obwohl er einen ganzen Kopf gr???er war, als ich. Betont l?ssig schlenderte ich auf die Wasserrutsche zu, lienste zu Becky r?ber um sicherzustellen, dass sie mir auch dabei zusah. Und sie blickte tats?chlich zu mir her, so dass ich schnell meinen Blick wieder gradeaus richtete. Mit sicherem Tritt erklomm ich die Leiter. Eine Sprosse nach der anderen, erst auf die eine Plattform, dann zur n?chsten und schlie?lich war ich ganz oben angekommen.

Die Aussicht war toll, man konnte das gesamte Freibad ?berschauen. Man sah das Nichtschwimmerbecken, in dem die Kiddies mit ihren Schwimmfl?geln mit Wasser umherspritzten, das gro?e Becken, in dem Sportler ihre Bahnen kraulten, wobei ihnen Frauen mit richtigen Br?sten zusahen. Ich wollte auch mal ein richtiger Schwimmprofi werden. Man konnte die komplette Wiese ?berblicken, Joe war aufgestanden und grinste her?ber und ganz da hinten, auf einem bunten Handtuch sa? Becky und blickte zu mir her. Und diesmal sah ich nicht weg. Ich geno? diesen Augenblick in luftiger H??he, h??rte das Wasser in der R??hre rauschen und machte mich bereit f?r den Ritt auf der Wasserrutsche, wie ich ihn schon tausendmal gemacht hatte.

Die Fahrt in so einer Wasserrutsche ist ja, mal abgesehen von dem ganzen tollen Hin und Her nicht nur angenehm. Die Ritzen zwischen den Teilst?cken f?hlen sich schon eher ruppig und grob an, wenn man in voller Fahrt in der R??hre runterrauscht und am Ende ist man doch etwas froh, wenn man im Wasser landet. Aber was solls dachte ich, fasste mit beiden H?nden den oberen Rand und schwang mich kraftvoll in die Plastiktube.

Das Wasser umstr??mte meine Schultern und ich nahm Fahrt auf, BANG! Die erste Ritze und die erste Kurve. Ich wurde schneller. Immer schneller, ich dr?ckte meinen K??rper durch und rutschte nur noch auf den Unterarmen und den Fersen und wurde so noch schneller. Ein guter Wasserrutschenrutscher kennt seine Tricks. Die Teilst?cken?berg?nge schrammten unangenehm und schlie?lich landete ich mit einem lauten Platsch nach zwei weiteren Kurven unten im Wasser, tauchte ein und wieder auf und wunderte mich dar?ber, warum sich das Wasser rot f?rbte, drehte mich um und blickte verst??rt in die R??hre, in der komische Lappen heruntergeschwommen kamen. Hinter mir ert??nten Schreie und als ich die Scheiben herunterkommen sah und begriff, was sie waren, wer sie waren, umfing mich die rote Schw?rze.

Dabei hatte alles so gut angefangen.