Von Narben und Kindern

02.07.2007 Misc #Kids #Storys

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Was Erwachsene von Kindern unterscheidet ist die Anzahl der Narben auf der Seele. Was beide eint, ist das Unverm??gen, damit umzugehen. Denn, sind wir ehrlich, niemand wei?, wie man mit Verletzungen umgeht, die tiefer reichen als zwei Millimeter unter die Haut. Mit Wunden, die tiefer gehen, die Herz und Mark betreffen. Wo Kinder im Idealfall ein perfekter Kreis sind, da sind Erwachsene nur noch Kreise mit herausgebissenen St?cken, mal mehr, mal weniger komplett. Deshalb schlie?en Kinder auch so schnell Freundschaft. Erwachsene tun das nicht.

Wir sind vorbelastet, wenn wir aufeinander treffen. Gef?hlte ?ohnen an Erfahrungen prallen da aufeinander und man kann schreien und strampeln wie man will, so unbefleckt wie als Kind wird man nicht mehr. Wenn man das ?berhaupt jemals gewesen ist. Und es kommt, hat man einmal die 30 ?berschritten, immer seltener vor, dass man jemanden trifft, bei dem man sich denkt: Fuck, yeah! Bei dem man in nur wenigen Sekunden wei?, dass man zuhause ist. Kinder haben diese Barriere nicht, die sich Leben nennt oder Erfahrung, die fragen einfach Wollen wir Freunde sein? und sind Freunde. Erfahrung ist schei?e. Manchmal zumindest.

Ich habe Narben, ich habe jede Menge davon. Und wer auch immer mich wirklich kennen will, muss durch einen tiefen dunklen Gang, voll Modder, und Glibber und dort ist es schwarz wie die Nacht. Dass dahinter etwas Gutes liegt musste ich erst lernen. Aber ich habe es gelernt. Ich gebe zu: es hat ein paar Jahre gedauert.

Ein paar wenige Male im Leben allerdings passiert es, dass man Menschen trifft, die sind genauso eckig und kantig, die tragen Narben vom gelebten Leben wie man selbst und dann kracht man inneinander und alles blitzt und blinkt und man f?hlt sich wie ein Teenager. Nur dass man eben schon lange kein Teenie mehr ist, sondern 33 Jahre alt ist und mit einer Plauze und immer weniger Haaren vor einem Laptop rumh?ngt. Es ist unendlich sch??n in so einer Situation zu lernen, was wahres Vertrauen bedeutet.

Davon haben Kinder nicht die geringste Ahnung und wenn sie eine Ahnung von diesem Leben mit Narben jenseits der 30 h?tten: sie w?ren neidisch. Neidisch, weil ich Dich kenne.