Der Arschloch-Faktor

27.06.2007 Misc #Rant #Storys

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Wir sollten mal über Arschlöcher reden. So ein Arschloch ist ja per se kein schlechter Mensch, was man vor allem daran erkennt, dass er im Zwiegespräch, wenn kein anderer dabei ist, viel von sich preisgeben kann und durchaus offen ist für Tiefsinniges, Ergreifendes oder auch etwas, das lustiger ist, als Witze über andere Leute. Allein: kommt ein dritter hinzu, ist all das verflogen und dem Wettbewerb gewichen. Nichts ist dem Arschloch wichtiger, als die Führungsposition. Wenn so ein Arschloch sich nicht über andere Menschen erheben kann, ist es nichts, das Arschloch, und es fühlt sich äußerst unwohl in seiner Haut.

Ein Arschloch kennt genau einen Weg, um sich über andere zu erheben: die Unterdrückung. Die Mittel sind ihm dabei völlig einerlei. Von verbalem Mobbing bis zu physischer Gewalt ist ihm jedes Mittel recht, um sich selbst größer zu machen, als es wirklich ist, das Arschloch. Im dieses Ziel zu erreichen macht das Arschloch Witze über Dicke, Schwule, Behinderte, in der rassistischen Form auch über Schwarze, Moslems oder Juden.

Ich habe schon jede Menge Arschlöcher in freier Wildbahn beobachten können. Man erkennt sie vor allem in der oben schon beschriebenen Diskrepanz zwischen dem "echten" Menschen, und dem, der zum Vorschein kommt, sobald sich so ein Arschloch in einer Gruppe befindet. Das Arschloch ist nämlich beileibe kein Herdentier, sondern ein zutiefst asoziales Zwitterwesen, das ständig zwischen seiner Geilheit auf Macht über andere und dem normalen Menschen in ihm hin- und hergerissen ist. Die Differenz zwischen dem Grad seiner Normalität und dem Selbstüberhöhungsdruck nenne ich den Arschlochfaktor.

Ein Beispiel sei genannt: ein ehemaliger Bekannter - mit einem aus heutiger Sicht exorbitant hohen Arschlochfaktor - erblickte in einer Tankstelle mal ein kleines Mädchen, die war vielleicht acht oder neun Jahre alt und sehr beleibt. Dieser Bekannte, ein ganz typisches Musterexemplar eines Arschlochs, hatte daraufhin nichts anderes zu tun, als mit dem Finger auf das Mädchen zu zeigen und mir laut zuzurufen: "Guck doch mal, die fette Sau!" Das Mädchen schaute traurig drein und mir war dieses Arschloch mehr als peinlich. Fremdschämen für Arschlöcher im Bekanntenkreis ist wahrscheinlich die erniedrigendste Form des Fremdschämens, weil man gleich mit diesem Arschloch in ein Auto steigen muss. Ich kackte ihn daraufhin erstmal ordentlich zusammen und fragte, ob er tatsächlich kleine Kinder fertigmachen muss, um sich besser zu fühlen. Kleinlaut meinte er, das Mädchen sei aber doch so fett gewesen. Ich hab ihn nicht mehr lange ertragen.

Dieses Arschloch.