Schmetterlinge an der Wand (Hurricane II)

26.06.2007 Misc Music #Storys

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(Teil 1, Teil 3)

Als die Queens of the Stone Age den ersten Tag des Hurricane Festivals beendeten war es circa 1:30 Uhr, unsere Sachen lagerten rund 30 Kilometer entfernt in einem Hotel und wir wateten mit 50000 Menschen durch den Schlamm, auf die Stra?e, zur Hauptstra?e - ein Weg von immerhin einer halben Stunde - wo bestellte Taxis auf- und abfuhren und f?r uns keines anhielt. Schlie?lich kamen wir auf die Idee unseren pers??nlichen Taxidriver anzurufen, der zu diesem Zeitpunkt in Bremen weilte, was sich f?r uns erstmal derbe weit entfernt anh??rte, tats?chlich aber stand er mitsammt Taxi 20 Minuten nach Anruf vor uns. Und w?rend dieser 20 Minuten kam uns eine Idee:

Moment mal, hat der nicht vorhin gesagt, er habe Zimmer zu vermieten, oder?
Yep.
Warum stornieren wir nicht das Zimmer im 98 Kilometer entfernten Rotenburg und quartieren uns bei dem ein?
Noch heute Nacht?
Wenn er das mitmacht...
...dann schreiben wir denen einen Zettel...
...'Notfall +++ stop +++ M?ssen abreisen +++ stop +++ Hier ein Fuffi und danke f?rs Gep?ckunterstellen +++ stop' oder so ?hnlich...
...genau!

Also fl?zten wir uns auf die R?ckbank, dankten irgendwem f?r die neue bremer Gem?tlichkeit und fragten Mr. Taxidriver: Sagen Sie mal, lieber Mann, Sie meinten doch vorhin, sie h?tten Zimmer zu vergeben?
Ja meinte da der Taxifahrer, ich h?tte da noch Zimmer zu vergeben.
Meinen Sie, wir k??nnten eins davon, ?h... quasi... so... jetzt beziehen?
Jetzt?
Jetzt!
Ja na klar, ich ruf grade meine Frau an, die soll Euch die Betten herrichten..

Und so holten wir nachts um Nier unseren Schei? aus dem Hotel, schrieben einen Zettel auf dem wir unsere Abreise wegen eines famili?ren Notfalls bedauerten, legten 60 ?re auf die Kommode und freuten uns einen Ast: die Kosten f?r die Unterkunft blieb gleich, nur waren wir nicht mehr 126 Kilometer vom Festival entfernt, sondern 500 Meter, wie Mr. Cabdriver meinte. Und ?ber Entfernungssch?tzungen in Norddeutschland m?ssen wir an dieser Stelle auch mal reden. Wenn ein Schee?eler meint, er wohne zehn Minuten vom Festival entfernt, man tats?chlich aber 45 Minuten da hinlatscht, sollte man dann Preisminderung verlangen? Ich meine... Ich... Ich frag ja nur!

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Und so bezogen wir um 5 Uhr morgens unser Zimmer in Schee?el und das Zimmer war innenarchitektonisch, sagen wir mal, interessant eingerichtet. Klasse Bilder hingen da neben goldenen Riesenschmetterlingen an den W?nden, B?sten nackter Frauen und M?nner ohne Kopf standen da rum und alles war irgendwie so... pastellfarben! Wir lie?en uns nicht weiter st??ren, formten stattdessen das Festival-Stilleben und ich mi?brauchte einen doofen Camonbert als Aschenbecher.

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The golden Riesenschmetterling des Grauens on the Wall of Schee?el

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Kippe in K?se, h?tte Beuys auch nicht besser hinbekommen

+++

mogwai.jpgMogwai

Ich besitze lediglich ein Mogwai Album: Happy Songs for Happy People und ich h?tte nie, NIE! Niemals h?tte ich gedacht, dass der zwar einigerma?en epische, aber dennoch eher gem?chliche Instrumental-Sound auf einem Festival am Nachmittag ohne gro?artige Lichteffekte so gut funktionieren kann. Da stand auf einmal eine Wall of Sound auf dem Rasen, der sich niemand entziehen konnte und jetzt besorge ich mir erstmal die restlichen Alben der Herren.

arcade2.jpgArcade Fire

Arcade Fire waren genauso gro?artig, wie ich erwartet habe, spielten Rebellion vom Debut und mit dem Opener No Cars Go macht man ja sowieso nix falsch. Au?erdem stimmt es, was man allgemein so h??rt: ein Arcade Fire-Konzert macht gl?cklich. Diese Leidenschaft, mit der die da auf der B?hne ihre Show abziehen ist derzeit einmalig. Nur beim n?chsten Mal ein wenig l?nger, im Dunkeln und mit mehr Atmosph?re, der rotharige Derwisch, der mit einem Mikrofonst?nder auf das Becken eindrosch darf aber nur zu gerne wieder mitspielen.

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bp1.jpgBloc Party

Nie h?tte ich gedacht, dass die Band, die ich noch vor anderthalb Jahren vor 500 Leuten gesehen habe am Wochenende 50000 Menschen so um den Verstand rocken k??nnen. Selbst der immer so ernste Kele Okereke strahlte - leider habe ich kein Foto davon, aber es ist wirklich wahr - bei Regen und Sonnenschein unter einem Regenbogen und sang Like drinking poison, like eating glas... Die Atmosph?re konnte man in dicke Scheiben schneiden und zwischen zwei Br??tchenh?lften als Delikatesse verkaufen, wenn einem nicht der Appettit vergangen w?re, nachdem ein L?mmel direkt vor uns seinen L?mmel ausgepackt und in die Absperrung gepisst h?tte. Immerhin wurde er sogleich von einem Ordner gepackt und kopf?ber in ein Dixieklo verfrachtet. Die Pottsau.

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M?dchen, irre gefreut, Licht auf Leinwand

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Wetterwechsel

ip1.jpgInterpol

Manch einer auf dem Festival fand Interpol ja so naja, etwas langweilig. Ihr Ignoranten. Die Songs Interpols sind d?stere, schwarze Juwelen, die in der Nacht funkeln wie die Leuchtstoffr??hren auf der B?hne. Die neuen Songs lassen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn ich an das anstehende dritte Album denke. Alleine das schon bekannte The Heinrich Maneuver entwickelte Live einen ungemeinen Sog und auch wenn der Gesang von Paul Banks zu Beginn zu leise war: Interpol waren ganz und gar gro?artig und sie klingen NICHT wie die Editors. Die Editors sind einfach und poppig, mit Sicherheit nicht schlecht aber die Klasse von Interpol erreichen sie nicht. Auch wenn die S?nger ?hnliche Stimmen haben. Paul Banks ist tausendmal fieser. And you go stabbing, yourself in the neck.

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