Killerspiele

Gepostet vor 10 Jahren, 1 Monat in #Games #Misc #Killergames #Violence

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Alexander macht sich (zu Recht) Sorgen:

Ich habe die Vorg?nge in Tessin, als zwei Jugendliche die Eltern des einen auf besonders brutale und kaltbl?tige Art get??tet haben, im Januar nur am Rande verfolgt und bin nun ?ber den Prozessauftakt wieder darauf gesto?en. Man sucht nach Antworten? Ich suche nach Antworten. Denn ich bin ein Vater.

Zwei Jungen sind vollkommen unauff?llig in ihrem Leben, wobei vor allem die Geschichte des jungen Felix D. schockiert. Die Eltern gebildet, politisch und sozial engagiert, gewaltlose Erziehung. Felix selbst ein freundlicher Junge, hilft und unterst?tzt die Eltern bei politischer Aufkl?rung oder beim Schnitzen von Marionetten. Kein Lehrer beklagt sich, keine Auff?lligkeiten. Und dann kippt der Schalter um, aber nicht im Rausch, im Affekt, nein, erdacht, geplant, vorbereitet, durchgef?hrt. Und auch danach k?hl und sachlich analysiert. So das was man bisher in den Medien wie Spiegel Online lesen kann. Die Details soll der Proze? kl?ren.

Was ist passiert? Wie kommt so viel Hass in unser Kind? fragen sich die Eltern von Felix. Und ich sitze heute morgen vor meinem Rechner und frage mich das gleiche. Wie passiert sowas? Wie kann ich es f?r meine Kinder verhindern? Welche Anzeichen haben die Eltern ?bersehen?

Hier mein Kommentar dazu:

Das sind Fragen, die ich mir auch schon gestellt habe, als ausgiebiger Splatter-, Zombie- und Ego-Shooter-Fan, und zitiere mich einfach mal selber:

Ich spiele indizierte und allgemein als gewaltverherrlichend verrufene Spiele seit dem ich zw??lf Jahre alt bin und einen C64 zum Geburtstag bekam. Damals hie?en die gewaltverpixelten Spiele noch River Raid oder Commando und standen auf dem Index, zusammen mit Claudias Sch?ferhund und Tanz der Teufel. Warum ich das tue? Weil ich mich medial mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen will, da ich sie selbst erlebt habe. Gewalt ist ein zutiefst menschliches Ph?nomen und Agression liegt ihr zugrunde. Anthropologen h??rte ich schon sagen: Will man den Menschen in seinem Wesen verstehen, muss man das Wesen der Agression verstehen.

Ich muss allerdings auch sagen, dass Darstellung von Gewalt in den letzten 30 Jahren seit Stewart Gordon Hershells Herschell Gordon Lewis (ups, danke Uli) ersten Splatter-Experimenten eine neue Qualit?t erf?hrt. Alles geht, sehr realistisch, hautnah oder auch: haut ab.

Selbstverst?ndlich geh??rt zu einer Deklination dieser Darstellungen in das eigene Umfeld, sprich: die tats?chliche Ausf?hrung von Gewaltakten, einiges mehr als das Betrachten von Videos, Spielen oder Websites. Was aber, wenn die allgemeine Verf?gbarkeit dieser Bilder die Hemmschwelle in ihrer Gesamtheit senkt? Was dann? Die Diskussion in den Blogs ist eigentlich keine, denn die einhellige Meinung (so auch meine) ist: Spiele veranlassen nat?rlich keine Gewaltakte. Hinter diesem Satz fehlt mir alledings ein fettes aberĶ

Nun ist es ja so, dass in gewaltverherrlichenden Spielen (und: ja, ein Spiel wie River Raid war gewaltverherrlichend) immer noch Pixel auf Pixel schossen, die Transferleistung, diesen Pixeln eine menschliche Dimension zu geben war ungemein schwerer als heute.

Wenn ich mir die Darstellung der Figuren auf der PS3 anschaue, dann wei? ich, dass wir noch ungef?hr 5 bis 7 Jahre von einer fotorealistischen Darstellung von Spielen entfernt sind. Was passiert dann, wenn man im (wirklich) extrem spa?igen GTA mit einem Flammenwerfer die Viertel abbrennt? Kann ich einem zw??lfj?hrigen, der das im Zimmer seines gro?en Bruders spielt, die Vernunft zutrauen, das ins Reich jenseits der Screens zu verbannen?

Ich kenne das: man zockt sich stundenlang fest, weils fesselt und nachts tr?umt man von Robotern und Aliens und h??rt die Sounds aus dem Spiel. Ich wei? also aus eigener Erfahrung, dass Spiele nicht fertig sind, wenn man die Konsole ausschaltet.

Aber.

Wieviele Leute in inserem Alter kennen wir, die nicht mit Spielen aufgewachsen sind? Wieviele werden Deine Kinder kennen? Ich kanns Dir sagen: es werden genau Null sein. Die Tatsache, dass bei jugendlichen Gewaltt?tern Spiele zuhause rumfliegen, die auch ausgiebig gespielt wurden, ist kein Zeichen f?r ihre, sagen wir mal, Macke, sondern ist ein Zeichen ihrer Generation.

Ich habe keine L??sung parat und finde ebenfalls, dass man eine Grenze ziehen muss. Allein: diese Grenzen gibt es bereits, die werden wahrscheinlich irgendwann enger geschnallt, was am Problem wahrscheinlich wenig bis nichts ?ndert. 12j?hrige werden sich weiterhin 18er-Shooter runterladen oder beim gro?en Bruder spielen. Und einer aus f?nf Millionen davon wird durchknallen. Was er auch ohne ein Spiel getan h?tte.

Wenigstens da bin ich mir sicher.

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