Wochenende

Die Reihenfolge günstigen Reisens lautet genau: Zugfahren, Fliegen, Mitfahrzentrale und Trampen. Da das per Anhalter fahren in meinem Alter aber einigermaßen verpöhnt ist, nimmt man doch mal die Mitfahrzentrale in Anspruch. Mit der kann man für 20 Euro einmal durch die komplette Republik reisen und man sieht endlich mal wieder was vom Land. Dafür erträgt man sogar Formatradio, aus dem die Beach Boys irgendwas von Kokomo krakelen und den miserabel gefederten Audi, dafür spart man schließlich jede Menge Geld.

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Bier schmeckt in manchen Großstädten anders als anderswo. Manchmal sogar besser. Es kommt auf die Menschen an.

Als Jüngling reiste ich übrigens mal mit den ganzen Leuten, mit denen ich damals so zu tun hatte, in eine Jugendherberge. Anti-Aggressions-Training war angesagt, damals hies das noch: autogenes Training und diese Vertrauensspiele, was nichts anderes heißt, dass viele Jugendliche wie bekifft auf dem Boden rumliegen oder im Kreis rumstehen und sich langweiligen Krimskrams anhören müssen. Und dass das ja sowieso keinen Zweck hat, sah ich dann bei folgender Szene: Bei anderer Gelegenheit ging die ganze Bagage, ich eingeschlossen, die tags zuvor noch auf dem Boden rumlag und im Kreis rumstand, spazieren und kam dabei an einer Kuhweide vorbei, auf der, wie es bei Kuhweiden so üblich ist, Kühe rumstanden. Die eine Kuh kam neugierig dahergelaufen, da wurde sie auch prompt von diesem Arschloch angespuckt. Seit damals weiß ich: es gibt ganz einfach Natur-Arschlöcher auf der Welt und ich bin keins, denn tatsächlich tätschelte ich der armen Kuh die Schnauze und entschuldigte mich für den Rotzlümmel. Ungelogen!

Dieses Arschloch sah ich gottseidank nicht mehr allzulange, mit Natur-Arschlöchern pflege ich für gewöhnlich keinen Umgang. Nur neulich, da kam eine E-Mail von dem per Xing, was mich über die Arschlochquote im Web2.0 nachgrübeln lässt. Wie es mir so ginge und man habe sich ja ewig nicht gesehen und ob man sich nicht mal auf ein Bier treffen wolle. "Ja, mein Lieber, mir gehts super und ein Bier, klar, das kann man mal machen" schrieb ich da zurück und nächste Woche ist es dann so weit. Ich werd' ihm die Story mit der Kuh bei der Gelegenheit mal auftischen und fragen, ob er immer noch so ein Arschloch ist. Ich denke, der Abend wird nicht besonders lange.

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Phil spielt einem "Stand by me" auf der Warschauer Brücke, wenn man nur will. Man kann ihm dann auch nen Euro spenden oder zwei. Geht auch mehr.

Die Mitfahrzentrale darf man aber auch nicht überbewerten. Bloß nicht! Es kann durchaus passieren, dass man 4 Stunden im Stau steckt und einem dabei Musik entgegenschallt, die wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Vor allem dann nicht, wenn einem der "Bekannte" des Fahrers lauthals "I will survive" von Gloria Gaynor entgegenschmettert, was noch der Höhepunkt der Fahrtbeschallung war. Ansonsten gab es Ibiza-Trance-Versionen von Madonna-Songs und Garage-House vom "Feinsten". Ähm.

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Mahnmahl mit Hoffnung. Auch nicht allzuoft festgehalten.

Und nun, zum Abschluss viel zu langer Zeilen über eine durchaus bequeme Reiseform, wenn sie nicht grade von schlechten Geschmäckern versaut wird, das Video zum Tiefpunkt (weitere Tiefpunkte: Chique, Abba, Sophie Ellis Baxtor und eine Reihe unidentifizierbare Dingsbumse) der Rückreise vom besten Wochenende meines Lebens. Ladies and Gentlemen: Miss Cher mit dem "Shoop Shoop"-Song und dem alleinigen Zweck: der montäglichen Beleidigung meiner Leser.


(Youtube Direktshoop)

Ich nehme an, Ihr versteht, was ich meine.