Tatort statt Star Wars

Tatort war für mich früher die Ausgeburt der Spießigkeit. Deutsche Krimis mit deutschen Schauspielern und noch dazu im Fernsehen, ein einziges Gräuel. Für mich zählten damals ausschließlich Spielfilme. Na gut, das tun sie heute noch, aber heute bin ich über 30, schaue Tatort und darf ab und zu schrecklich spießig sein. Ich ziehe ihn heute sogar „Star Wars - Episode One“ vor, wahrscheinlich, weil Jar Jar Binks keinen Cameoauftritt hat - obwohl mir Lichtschwerter im Tatort nach einer interessanten Idee klingen. Früher war das jedenfalls anders.

Früher, da war Tatort etwas für Erwachsene. Und „erwachsen“ war natürlich gleichzusetzen mit „uncool“ und „uncool“ ging gar nicht. Den einzigen Tatort, den ich damals immer wieder mal ansah, war Schimanski, denn der durfte im Fernsehen „Scheiße“ sagen und am nächsten Tag stand die exakte Angabe der Häufigkeit des Wortes „Scheiße“ in dem Faltblatt mit den großen Buchstaben. Und immerhin ist Schimanski bis heute der einzige Tatort-Ermittlungsbeamte, der einen eigenen Spielfilm gedreht bekam, in dem Klaus Lage das großartige „Faust auf Faust“ sang.

Apropos Scheiße. Mein Urin riecht derzeit besonders streng, denn die Spargelzeit ist ja wieder angebrochen und die muss man nutzen, denn wie jeder weiß, ist Spargel eine der gesündesten Gemüsesorten überhaupt. Wenn man kann, sollte man grünen Spargel verwenden. Der ist dünner, kocht also schneller und leichter durch und ist auch viel aromatischer. Und Spargel reinigt bekanntlich den Körper und der ganze Müll landet danach wohl im Urin, weshalb der während der Spargelzeit besonders streng riecht.

Mal abgesehen davon, dass ich sowieso nicht in einer Kläranlage arbeiten wollte: ich habe von Klärbeckenreinigungstauchern gehört, die eine Menge Geld damit verdienen, Klärbecken zu reinigen. Ich denke, die Spargelzeit ist für Klärbeckenreinigungstaucher eine sehr harte Zeit, obwohl man durch so eine Taucherbrille wohl wenig riecht. Die Vorstellung ist trotzdem nicht sehr angenehm, davon aber abgesehen finde ich, dass Klärbeckenreinigungstaucher gar kein spießiger Beruf ist, auch nicht in der Spargelzeit. Ich denke aber trotzdem, dass Klärbeckenreinigungstaucher ebenfalls jenseits der Dreißig Lenze den Tatort ansehen.

Übrigens überkam mich beim Schnorcheln in der Karibik eine Panikattacke, trotz der vielen bunten Fische da unten. „Taucher ist also kein Beruf für dich, gut, dass du das jetzt weißt“ dachte ich mir und wurde Grafik-Designer, was ebenfalls jenseits der Dreißig nicht spießig ist. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, ich kehre zurück an den Tatort.