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01.05.2007 Misc #Beer #Storys

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8 Jungs, 8 Fahrräder und ein Fahrrad-Anhänger beladen mit 3 Kästen Bier. Man kann sich leicht ausrechnen, was jetzt kommt: 3 Kästen Bier sind bei 8 Jungs von denen zwei nicht trinken genau 10 Bier pro Mann. Es folgt die Beschreibung einer Katastrophe.

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(Foto: Regioblogview)

Das ist ein Weg auf dem Kühkopf, ein Naturschutzgebiet bei mir ums Eck, eine Insel umgeben vom Altrhein und dem Rhein und da ging es hin. Von Wolfskehlen nach Erfelden, über eine Brücke auf die Insel und dort radelten wir johlend und feixend an einen Kiesstrand am Rhein. Wir machten Feuer, tranken Bier, angelten, tranken Bier, spießten Würste und Steaks auf Stöcke und brieten sie am offenen Feuer und tranken Bier.

Bier tranken wir auch.

Bis auf Alexander und Stephan, die uns dabei zusahen, wie wir immer voller und voller und lauter und lauter wurden und schließlich stellten sie irgendwann eine Frage, an die keiner von uns im Verlauf des Saufgelages Tages den geringsten Gedanken verschwendet hatte: „Sacht mal, wie wollt ihr eigentlich nach Hause kommen? Ihr seid doch total besoffen!“. Das allgemeine Gelächter erstarb. „Aaaach... dasssss geht schonnnn irgendwie“ lallte ich und hatte keine Ahnung.

Als wir schließlich aufbrachen, die letzten zehn Biere als Heimwegsverpflegung, schaffte es Michael nicht auf sein Fahrrad. Immerhin: er hat es fünfmal ausprobiert, lag aber jedesmal nur lachend neben seinem Fahrrad auf dem Boden. Schließlich fackelten wir nicht lange, hievten unsere eher korpulenten Kumpel auf den Fahrradanhänger, packten ihm das restliche Bier dazu, ich schnappte mir sein Fahrrad und wir fuhren schlingerten los.

Nach zwei Minuten lag Flo im Gebüsch. Nach dreien ich und wir lachten und johlten noch lauter als morgens. Nach zehn Minuten lachte Michael in seinem Anhänger nicht mehr so laut. Er hatte sich noch ein Bier geöffnet, das nun angeschrägt seinen Inhalt über sein T-Shirt entleerte - und schließlich entleerte sich Michael selber und kotzte Steaks und Bratwürste in Biersoße vorverdaut auf seinen stattlichen Bauch. Das war kein schöner Anblick kann ich Euch sagen. Wir hoben den Kerl aus dem Hänger, stützten ihn am Wegesrand und er sprudelte munter weiter Bröckchen, bis wir alle das Gleichgewicht verloren und im Gebüsch lagen. Lachen taten wir mittlerweile nicht mehr und Alexander und Stephan, die immer vorausfuhren, standen da, glotzten uns an und wussten nicht, was sie sagen sollten. Also schüttelten sie nur mit dem Kopf.

Nun, irgendwann ist ja auch der größte Kerl mal leer und Michael stürzte in seinen Hänger, wo er augenblicklich eindöste und wir fuhren weiter. Grade fahren war immer noch nicht wirklich machbar und so legte sich der ein oder andere immer wieder mal lang. Unter anderem ich, indem ich mit dem Fahrrad einen Abhang hinab und direkt in ein Schlammloch hineinfuhr - um mich dort vollständig mit Schlamm zu versauen.

Nach einer zweistündigen Odyssee - die Fahrt dauert normalerweise circa 20 Minuten - waren wir schließlich immer noch besoffen, aber zuhause. Die Abstinenzlerfraktion fuhr nix wie weg, sechs mit Kotze und Schlamm verschmierte Jungs gaben sich Fünfe und ich fuhr langsam in Richtung Bett. Auf dem Weg begegneten mir vier Mädchen, die mit den Augen rollten, mich auslachten und „Iiiih“ und „Bäääää“ nachriefen, doch mich störte das nicht. Nicht heute. Nicht jetzt. Denn ich war so verdammt stolz auf jeden Flecken auf meinem ehemals weißen T-Shirt.