16,7 Einheiten Liebe pro Gramm, Du Musikstück

Weil die bösen Menschen ja Musik aus dem Internetz laden und das meistens auch noch illegal, weil die Festplatten immer größer werden und die Menschen ja gradezu unglaublich umfassende Musiksammlungen - ach was, Sammlungen: es sind Audiotheken! - anlegen, immer mehr mehr mehr Musik auf ihre immer fetteren iPods, Festplatten, Jukeboxes, Dingsbumse laden, deshalb geht ihnen die Liebe zur Musik flöten.

"Weil eine Festplatte immer das Gleiche wiegt - egal ob 100, 1.000 oder 10.000 Musikdateien darauf gespeichert sind -, geht schleichend das Gefühl für den Wert von Musik verloren", sagt Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände, anlässlich des Tages des geistigen Eigentums. "Die fortschreitende Digitalisierung kreativer Inhalte wie Musik, Filme oder Bücher erfordert dringend eine Neubewertung des Urheberrechts. Vom Kopieren können Künstler nicht leben, deshalb brauchen wir eine breite Debatte zum Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Welt". (Golem, via)

1. Die Beatles, ich liebe sie. Ich habe sie kennengelernt, richtig meine ich und nicht nur die handvoll Superhits, durch eine illegale CD, auf der sämtliche Alben drauf waren. Und das ist nur eines von vielen Beispielen und ja, ich habe mir seit dem vier Alben der Beatles auf CD gekauft. Das weiße, Revolver, Let it be und Sgt Peppers Lonely Hearts Club Band. Die "Neubewertung" des Urheberrechts hat schon längst stattgefunden, Herr Haentjes, und dagegen können Sie nichts, aber auch gar nichts tun.

2. Laut Ihrer Rechnung, Herr Haentjes, verliert Musik quasi an Dichte, desto mehr man von ihr auf dem gleichen Platz lagert. Was für ein ausgemachter Vollpfosten sie doch sind, zeigt diese Denkweise aber ihren sackgassigen Ansatz: Sie bewerten Musik physikalisch. Nach Gewicht. Nach Preis. Nach einer Einheit. Ein Musikliebhaber kennt diese Einheiten nicht, er bewertet Musik abstrakt, er liebt Musik und den Wert, den Musik für den Fan hat, ist nicht messbar. Der Fan kennt seine eigenen Einheiten: Rock, Blues, Soul, New Wave. Das alles aber sind wiederum Kategorien, die ihnen so fremd sein dürften, wie es mir Krawatten sind.

3. Warum können Künstler vom Kopieren nicht leben? Wer sagt das? Sie mit ihrer Milchmädchenrechnung? Weil Ihnen die Perspektive fehlt? Das Verständnis? Wahrscheinlich ist es letzteres und das kann man ihnen schwerlich zu Vorwurf machen. Die digitale Welt will auch erstmal kapiert werden, und das ist für unbewegliche geistige Besitzstandswahrer wie Sie erstmal gar nicht so einfach. Sie haben die digitalen Distributionswege bisher nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft, weil Sie zuerst mit Scheuklappen digitale CD-Läden im Netz verhindert und schließlich unter dem Erfolgsdruck von Apples iTunes widerwillig zugestimmt haben, während sich (illegalisierte) Netzwerke bildeten, die Musik und Film und Kultur für jeden zugänglich machte, der Zeit und Willens ist. sich einigermaßen mit der Technik auseinanderzusetzen. Warum Sie keinen Weg finden, diese Netzwerke zu nutzen, bleibt Ihr Geheimnis.

4. Musik entwerten, das tun große Musikverlage mit ihren Minderwertigen Produkten, die tatsächlich nichts anderes sind als ein - pfui! - Produkt. Die seichte, konformistische, glattgebügelte, mit der Hilfe von Mega-Medien ins Volk gepresste Massenverdummung die Sie betreiben entwertet Musik. Jeder, der diesen Schrott herunterlädt und hört, ganz egal ob bezahlt oder nicht, entwertet Musik. Und es ist mit Sicherheit nicht der Freak, der Fan, der zwei externe Festplatten voll mit Musik hat, von denen Sie in drei Leben niemals hören würden, selbst wenn Sie sich anstrengen würden, der Musik entwertet. Sie sind es, der Fans beleidigt und dem geschmacklosen Idioten das falscheste Lächeln schenkt, der Musik entwertet. Sie. Ganz alleine.

5.
(Youtube DirektAmen)