Umsonstkultur my downloading Ass

Als ich auf der re:publica dem Panel „Film im Netz“ lauschte - mehr oder weniger - horchte ich kurz auf, als da einer was meinte von wegen „diese Umsonstkultur sei doch krank“. Nun, ich habe kurz überlegt, mir mal das Mikrofon zu greifen und kurz für eine auf der Veranstaltung so sehr gewünschte Kontroverse zu sorgen. Denn: das was gemeint war, das (bisher) illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus den allseits bekannten Kanälen, ist nur partiell eine Umsonst-Kultur. Es ist in Wirklichkeit eine Verfügbarkeits- und eine Vorschau-Kultur.

Genauer: das Internet ist eine Technologie, die es ermöglicht, von einem Stück Kultur in Wort, Bild oder Ton auf einen Klick eintausend Kopien zu machen. Das ist so und das wird so bleiben. Das Versagen von DRM ist dafür Beweis. Noch genauer: man macht mit einem Klick nicht eintausend Kopien, es sind dies sogar eintausend Originale, abhängig von der Qualität der benutzten Ursprungsdatei. Und genau deshalb geht den Rechteverwertern der Arsch auf Grundeis. War für sie schon in den Achtzigern Hometaping das Täten von Musik, dann sehen sie in der digitalen Welt den endgültigen Untergang aller Einnahmequellen. Ganz unberechtigt ist diese Angst freilich nicht, gibt es doch haufenweise Idioten, die sich alles und jeden aus dem Netz runterladen und dann nichtmal anhören oder -sehen. Aber dafür kann der Typ, der seine Filme aus den nicht genannten Quellen bezieht erstmal nix. Der will Grindhouse eben nicht in zwei Teilen sehen und das auch noch erst dann, wenn er fremdbestimmt anläuft. Er will ihn sehen, sobald er verfügbar ist. Das war im genannten Fall ungefähr drei Tage, nachdem der Streifen in den USA angelaufen ist.

Man kann sich nun fragen, ob es die Aufgabe des Tauschbörsen-Nutzers ist, dafür zu sorgen, ob die Rechteverwerter zu ihrem - verdienten! - Geld kommen. Was er ohnehin tut. Genannter Typ, den die Frau kennt, die die Freundin eines Mannes ist, der das Mädchen kennt, das gesehen hat, wie Ferris in der Eisdiele ohnmächtig wurde irgendwie mitbekommen hat, dass er den Film schon kennt, der kauft sich zumindest in diesem Fall ohnehin die DVD, und zwar in der DeLuxe-Ausstattung. Es ist deshalb die Aufgabe der Industrie, die Politik zu zwingen, Strukturen zu schaffen, in denen diese Technologien monetarisiert werden können. Es ist NICHT die Aufgabe derselben Industrie, die Politik zu zwingen, Strukturen zu schaffen, in denen sie Nutzer dieser Technologien verklagen kann, denn diese Form verhindert Kreativität, weil sie an der falschen Stelle, nämlich der Kultur selbst ansetzt. Ob diese Strukturen, mit denen die Rechteverwerter zu ihrem Geld kommen könnten, nun eine Kulturflatrate oder etwas anderes ist, sei dahingestellt. Darauf kommt es mir hier nicht an und wichtig ist nur, dass sie geschaffen werden.

Worauf es mir ankommt sind ganz einfache Dinge:

  • die digitale Technologie geht nicht mehr weg, gewöhnt euch daran
  • der digitale Umgang mit Kultur scheißt auf geistiges Eigentum
  • seht zu, wie ihr zu eurem Geld kommt, es gibt Wege, also geht sie, nehmt aber die richtigen: vielleicht diejenigen, die noch nicht beschritten wurden

Es ist nicht der Runterlader, der euch Geld kostet. Es ist euer Unvermögen, zusammen mit der Politik Strukturen zu schaffen, die nicht gegen diese Technologien arbeiten, sondern mit ihnen.

Leider: bis sie das kapiert haben, werden noch ein paar Jahre ins Land gehen. Ich glaube aber, es sind nicht mehr allzuviele.

Übrigens, das kann ich so pauschal leider nicht unterschreiben, schon zu oft fand jemand alte Filme aus den Siebzigern, Grindhouse-Filme, die bei Amazon unfassbare 50 Euro kosten. Außerdem denke ich, dass bei einer Legalisierung dieser Technologien und ausreichend Fütterung von der Seite der Rechteinhaber auch die Verfügbarkeit abseitiger Perlen steigen dürfte. Alles eine Frage der kritischen Masse.