Kommentar des Tages

Gepostet vor 9 Jahren, 10 Monaten in #Misc #Advertising #Internet

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Von Fabian, ausnahmsweise mal im Vollzitat:

Das Internet ist groß. Erstaunlich groß sogar. So groß, dass tatsächlich viele verschiedene Dinge gleichzeitig stattfinden können. Manchmal vergessen das einige Menschen, vor allem in Deutschland. Dann wird's ziemlich klein. Scheiss-provinziell, um genau zu sein.

Wo bitteschön ist das Problem, wenn sich einige Weblogs zusammentun und gemeinsam Werbung schalten? Ich rede jetzt wirklich nur von dem Kern der Sache: Menschen tun sich zusammen und schalten die Werbung auf ihren eigenen Seiten, mit der sie sich arrangieren können. Und stecken das Geld dafür ein.

Es ist ganz einfach:

Niemand wird gezwungen, Werbung zuzulassen. Niemand wird gezwungen, sich irgendeinem Konzern zu unterwerfen. Und niemand wird gezwungen, Weblogs zu besuchen, auf denen Werbung geschaltet wird. Wieso muss deswegen gleich so eine verdammt deutsche Grundsatzdiskussion daraus werden?

Wo gibt es denn diese erträumte Charta der ewig gerechten Blogger-Community, in der alle irgendwie voll graswurzelmäßig drauf sein sollen?

Warum wird der Einsatz einer bestimmten Technologie noch immer mit den damit präsentierten Inhalten verwechselt? Dieses ganze selbstrefernzielle Gerede von einer irgendwie fassbaren Blogosphäre ist doch totaler bullshit. Nur weil sich Menschen kennenlernen, sympathisch finden und gegenseitig verlinken, gibt es noch keine homogene Szene von Gleichgesinnten. So gerne sie manche auch herbeireden. Was wäre denn auch der Gegenstand, um den sich diese Subkultur gruppieren könnte? Netzdemokratisierung? Yeah, abendfüllend. Vor allem in unseren Breiten, wo wir ja quasi alle hinter dem Mond leben und keinen Zugang zu Strom, Telefon und Computer haben.

Do-It-Yourself? DIY-Spirit schließt für mich eben nicht aus, auch Geld damit zu verdienen. Wenn man denn will. Oder muss. Aufmerksame Beobachter werden sicherlich mitbekommen haben, dass einige Menschen ihr Weblog hobbymäßig betreiben, andere hingegen daraus einen Beruf machen.

Dass beides funktionieren (im Sinne von "Content lässt nicht nach"), beweisen doch zahlreiche internationale Beispiele, oder? Welcher Mac-Fan liest nicht Mac-Essentials oder Daringfireball? Noch immer werden die wichtigsten Memes über BoingBoing verbreitet -- wo wird denn dort über Werbung herumgejammert? Ich finde es geradezu lächerlich, welche albernen Schlussfolgerungen manche Spaßvögel hier ziehen. Anstelle einfach mal abzuwarten, wie sich die Inhalte und die darum geschaltete Werbung entwickeln und dann auf einem anderen Niveau zu argumentieren.

Und bezüglich des vielfach kritisierten Artikels von Lobo: Der Mann macht nichts anderes als das, was alle Marketingmenschen der Welt auch tun: Er versucht, sein Produkt möglichst interessant zu verkaufen. Ich halte die Kommunikation im Vorfeld auch nicht für besonders gelungen aber was soll's -- nach dreißig Jahren Fernsehsozialisierung habe auch ich gelernt, zwischen Signal und Rauschen zu unterscheiden.

Zur Medienkompetenz gehört nämlich auch, zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheiden zu können - bei Vermeidung unnötiger persönlicher Beleidigungen.

Oder um es mit den Worten des bekannten westberliner Philosophen Sido zu sagen:

"Deiner Meinung nach muss Rap friedlich sein -- mach du dein' Rap, ich mach mein' / Bei dir fängt die Sonne an zu scheinen und Mädchen an zu weinen -- mach du dein' Rap, ich mach mein' ".

Und noch eins von Stefan hinterher, weil's irgendwie passt:

Die Tatsache, dass es die Möglichkeit gibt, das Kochen zum Beruf zu machen, heißt ja nicht, dass Millionen Hobby-Köche nun auch mit dem Kommerzkochen anfangen müssen.

[...]

Und natürlich kann jeder, der will, ernsthaft bezweifeln, dass eine Professionalisierung der deutschen Blogosphäre ins Haus steht. Es ist sogar ganz leicht. Er muss nur die Augen zumachen.

RechtsLinks 20.1.2017: Against the Hate Economy, Facts are not enough und Hannah Arendt über die Lüge

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