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10.04.2007 Misc #Storys

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Als Kind war ich sehr oft draußen. Also, richtig draußen. Denn ich bin kein Stadtkind muss man wissen. Geboren wurde ich in Darmstadt und ich kann das Kichern der Nicht-Hessen bis hier hin hören, also haltet die Klappe. Und wer das erste mal „Arschgeburt“ schreibt, zieht sich einen blauen Oberarm auf der Re:publica zu. Versprochen.

Jedenfalls ist Darmstadt entgegen dem, was der Namenszusatz „-stadt“ suggerieren möchte, durchaus provinziell. Und doch: es kommt noch ärger für den großstädtisch geprägten Leser. Ich wohnte in einem Kaff namens Weiterstadt. Dort sogar außerhalb. So hieß damals tatsächlich die Straße. Außerhalb. 24. Das lag direkt an einem Waldstück und verdammt, was hatten wir da unseren Spaß, bis sich jemand mal den Jux machte, uns zu erzählen, dass sich in diesem Waldstück mal einer erhängt hätte. Ab diesem Zeitpunkt fuhren wir mit unseren 10 Mark-Rädern nur noch auf der Hauptstraße rum. Das war zwar exponentiell gefährlicher, dafür aber immerhin nicht verwunschen.

Früher fuhren wir auch regelmäßig zum Campen. Regelmäßig heißt, ich verbrachte jedes Wochenende im Winter auf der Neuenkirchner Höhe im Odenwald oder im Sommer in Biebesheim am Rhein und was soll ich sagen: wer meiner Leser Kinder hat, der sollte sich ernsthaft die Anschaffung einer Wohnwagens überlegen, denn den allergrößten Spaß hatte ich mit vier Jahren auf Ski im Odenwald und mit sieben Jahren, als wir mit Stöcken bewaffnet wilde Brombeeren pflückten, mit Kanus den Rhein runterpaddelten oder die Sumpfgebiete hinter dem Campingplatz erforschten.

Dieselbe Zeit hat mir übrigens eine massive Spinnenphobie eingebracht, denn es geht nichts darüber, morgens in einem Zelt aufzuwachen mit einer fetten Spinne im Gesicht. Das prägt für Jahre. Wenn ich heute eine Spinne sehe, renne ich erstmal 10 Meter weit weg um dann mit Anlauf das arme Viech unter meinen Schuhsohlen zu zermantschen und das, obwohl die arme Spinne ja gar nix dafür kann, dass sich damals irgendein achtbeiniger Artgenosse ausgerechnet mein Gesicht für seine Morgentoilette ausgesucht hat.

Ich bin also halb aufgewachsen, draußen, wo man sich schonma...

EBEN GRADE IST EINE SPINNE AUF DEM BODEN ENTLANGERANNT! KEIN SCHEISS! Diesmal war es mein Osterkorb, der so neben der Couch rumstand, den ich auf das Vieh geschmissen und es danach mit einem Stück Papier vom Fußboden gekratzt habe, mein Puls ist auf 374 und das ist wirklich - ungelogen! - wahr. Wo war ich?

Ich bin also halb aufgewachsen, draußen, wo man sich schonmal ein paar Schrammen holt oder in einen Busch Brennnesseln fällt. Das tut weh, sag ich. Wobei mir einfällt, dass Brennnesseln nur dann brennen, wenn man sie langsam berührt. Tatscht man die Dinger schnell und grob an, dann tun die einem gar nix. Und wo ich hiermit hinwill, weiß ich auch nicht. Vielleicht dahin, dass ich immer schmunzeln muss, wenn mir ein Großstädter von seinem Outdoor-Urlaub erzählt und wie geil anstrengend das war. Da denke ich nur daran, wie wir mit Schlitten den halben Odenwald runtergerodelt sind und nicht daran gedacht hatten, wie wir zurückkommen sollten und schließlich 3 Stunden den Berg rauf zurück zum Campingplatz latschen mussten. Outdoorurlaub my Ass: DAS war anstrengend.