Amifeindlich

Gepostet vor 10 Jahren, 4 Monaten in #Misc #Politics #Iraq #USA #War

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Malzahn schreibt:

Die offizielle deutsche Politik, die das Ergebnis der Umfrage heftig beweinen wird, hat den Antiamerikanismus größtenteils verursacht. Jahrelang wurde den Deutschen von ihren Außenministern das Märchen vom "kritischen Dialog" zwischen Europa und Iran erzählt. Es ging etwa so: Wenn wir nett zu den Ajatollahs sind, ein bisschen mit ihnen knuddeln und ab und zu mit dem Finger "DuDuDu" machen, dann hören sie auf, ihre Frauen wegen "unkeuschen Verhaltens" zum Tode zu verurteilen und die Atombombe zu bauen. Irgendwie ging der Plan schief, was man in Washington übrigens lange vorher ahnte. Iran bastelt unverdrossen am nuklearen Programm, der Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagiert auf Uno-Beschlüsse mit demonstrativer Ignoranz. Die Uno ist dann böse und verfasst eine Resolution.

Nun. Eigentlich fallen mir noch ein paar andere Gründe ein, die den Anti-Amerikanismus verursacht haben k??nnten und die so erstmal gar nix mit der deutschen Regierung zu tun haben. Und wer ignoriert die UNO? Der Iran?

Weiter schreibt er:

Die Amerikaner sind uns Deutschen entweder zu fett oder zu sportbesessen, zu prüde oder zu pornografisch, zu religiös oder zu nihilistisch. Die Amis sind in der Geschichte entweder zu isolationistisch oder zu imperialistisch aufgetreten, sie überfallen einfach fremde Länder (was wir natürlich nie tun würden) - und hauen dann einfach wieder ab, wie in Vietnam und demnächst im Irak. Besonders schlimm: Die Amerikaner haben 1945 den Krieg gewonnen.

Ich war zweimal in Amerika und kenne Menschen, die in Amerika gelebt haben. Das sind ganz normale Menschen, sehr freundlich und ziemlich begeisterungsfähig. Aber klar, es gibt auch die prüden, pornobesessenen, religiösen und nihilistischen. Die gibt es übrigens auch bei uns. Und besonders schlimm: Anti-Amerikanismus heißt heutzutage ja nicht, gegen die Menschen da drüben zu sein, sondern gegen ihre Regierung. Aber gegen das Ultra-konservativ-kuscheln der Bush-Regierung, gegen das Klimawandel-Leugnen und die fundamentalistischen Religions-Eiferer, die keine Skrupel haben, ihre Kinder zu indoktrinieren als Krieger im Namen Gottes und des Präsidenten, gegen all diesen Mumpitz darf man aber schon noch etwas haben, ohne von einem Malzahn in die Nazi-Ecke gedrängt zu werden, oder? Denn genau das sagt der Satz "Besonders schlimm: Die Amerikaner haben 1945 den Krieg gewonnen." Und da werde ich ganz schnell zum Anti-Malzahner, wenn mir einer sowas nachsagt.

Dannach ergeht er sich in Plattheiten und pragmatischem Dogmatismus und meint:

Antiamerikanismus ist das Wundermittel der deutschen Politik. Wenn Dir keiner mehr was glaubt - hau einfach auf die Amis drauf, dann fährst Du in den Beliebtheitsumfragen nach oben wie im Turbolift.

Und meint damit Schröder, den ich zwar nicht wirklich mochte, der aber immerhin in Sachen Krieg einfach mal "Nein!" gesagt hat. Malzahn hat also damit ein Problem, wenn einer "Nein!" zu Krieg sagt. Und deshalb habe ich ein Problem mit diesem hahnebüchenen Unsinn von einem Artikel, der sich in Fremdenfeindlichkeit ergeht und zeitgleich Fremdenfeindlichkeit anprangert. Malzahn greift Gerüchte und Denkblasen der amerikanischen Regierung auf und verkauft sie als Fakten. Wie sehr wir den Fakten aus dem weißen Haus allerdings glauben dürfen, zeigten uns die Tonnen von Massenvernichtungswaffen, die man im Irak fand.

Antiamerikanismus ist prima bigott.

schreibt Malzahn. Hätte er mal lieber vor der eigenen Haustür gefegt.

[nachtrag] Die Thüringer Blogzentrale beschreibt einen Punkt, der offensichtlich ist, den ich aber schlicht vergessen habe:

Der Spiegel und sein Onlineableger mutieren zum Zentralorgan für Volksaufklärung und Propaganda. Die Tonart des Spiegel-Leitartikels und das zugeh??rige Titelblatt von dieser Woche haben erhebliches demagogisches Potential, das taz-blog titelte folgerichtig: "Die neuen NPD-Plakate sind da", und so wie die angeblich "schleichende Islamisierung" in Deutschland angeprangert und wie Henryk M. Broder als Kronzeuge für diese aufgewärmten Überfremdungsmärchen und Terrorbedrohungssagen herangezogen wird, ist eine unerträglich groteske Inszenierung, die sich zusammen mit dem gestrigen Spiegel Online-Kommentar von Claus Christian Malzahn, und mit den aktuellen diplomatischen Komplikationen, wegen mutmaßlicher Grenzverletzungen britischer Soldaten, zu dem (verschw??rungstheoretischen) Bild verdichtet, dass wir auf einen Krieg gegen den Iran eingestimmt werden sollen.

Und bringen dazu den brillanten Volker Pispers:


(Youtube Direktvolker)

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