Die Nacht, in der ich Leo Trotzki aus dem Knast befreite

U2 spielen in Wolfskehlen in der Anglerhütte, draußen am See. Ich schmeiße die Aufwärmparty, auf zwei Stockwerken tummeln sich Nazis, Skater, Zwerge, Freunde aus längst vergangenen Tagen und Arbeitskollegen. Nadine will mich sehen. Sie ist ungefähr 50 Zentimeter groß und ich frage mich, wie es wohl ist, mit einer Zwergin zu schlafen.

Auf der Flucht vor den Nazis, die mich blöde anrempeln und doppelt so breit sind wie ich, finde ich mich draußen wieder, vor dem Haus. U2 haben sich verspätet, denn Bono sitzt im Knast in Moskau. Da muss man doch was machen, meine ich zu der rothaarigen Schönheit und befinde mich einen Plopp später im alten Benz meiner Eltern auf der Autobahn und rase mit Lichtgeschwindigkeit durch Russland, die rorhaarige Schönheit an meiner Seite.

Angekommen auf einem Industriegelände mit Scheinwerfern und allem was dazugehört, gehe ich zum Wachhaus in dem ein alter, müder Beamter vor sich hingammelt. Ich solle Bono aus dem Knast abholen, sage ich. Der Alte winkt mich durch. Einfacher als ich dachte.

Drinnen bringt mich der Direktor direkt zu Bonos Zelle und dort sitzt Trotzki mit Nickelbrille, Melone und gezwirbeltem Schnurrbart. Hey, meine ich. Du bist aber nicht Bono. Trotzki nickt und wir beide gehen unbehellig nach draußen. Dort lüftet er kurz seine Melone und entschwindet im Nebel. Komisch, denke ich, steige zu der rothaarigen Schönheit ins Auto, von der ich immer noch nicht weiß, wer sie ist.

Zuhause angekommen erzähle ich den immer noch genauso draußen im Kreis stehenden Nazis, Skatern, Zwergen, Freunden aus längst vergangenen Tagen und Arbeitskollegen, dass Bono gar nicht da war. Ein Typ lacht mich aus und meint: Komm Alter, gehen wir aufs Konzert.

Dann wachte ich auf. Ohne rothaarige Schönheit.
Leider.