Reality TV

Ich kam mal wieder nach Hause von der Plackerei, köpfte ein Bier, fläzte mich auf die Couch und schaltete die Glotze ein. Glitzerbehaftete Hupfdohlen, die schönsten Weiber - Alice! - in knappsten Kleidern, dreitagebärtige male Models in James-Bond-Gedächtnis-Anzügen und diese Tricks! Als ob mich das antörnen würde, schaltete ich um. Und um. Und um. Überall das gleiche Trauerspiel und schließlich ließ ich irgendeinen Channel laufen und schaute mehr ins Bier, um zu sehen, wieviel davon noch übrig war, als in die Glotze, um zu sehen, wieviel davon noch übrig war.

Plötzlich sagte eine Grinsekatze mit schwarzgelocktem Haar in mein Ohr: "What's Love got to do it?" und ich fuhr auf und sagte: "Nix, Baby! Aber auch gar nix!". Doch es half alles nix, immer weitere Gestalten drängten aus der Flimmerkiste in mein Wohnzimmer, das bald aus allen Nähten zu platzen drohte. Die ganzen Spukgestalten grinsten um die Wette, während die male Models ganz mit sich selbst beschäftigt waren. Alice schritt durch die Reihen und teilte die Menge wie Moses das Meer. Panisch floh ich aus dem Haus, aber auch das half nix, immer weitere grellgeschminkte Grinsekatzen und hippe Nachmittagsschauspieler quollen aus der Mattscheibe und suchten sich ihren Weg in meine Realität.

Die ganze Straße war mittlerweile bevölkert von munter miteinander plaudernden Menschen, die Sektgläser mit einer grünen Flüssigkeit darin schwenkten. Kachelmann haute mir von hinten auf die Schulter und rief: "Das Wetter wird! Das Wetter wird!" - "Scheiße", dachte ich, "Scheiße". Schweißgebadet wachte ich auf, stellte die Glotze ab und überlegte nochmal genau, wofür Verona Feldbusch-Poth-Langenhagendäng berühmt war. Ach ja, stimmt.. Möpse.