Rüde, verroht und versaut...

Rudolf Maresch mag mit der Tendenz seines Artikels "Die Bühnen des Mobs und der Wichtigtuer" ja vielleicht gar nicht so weit daneben liegen, wenn man sich das Heise-Forum anschaut, was ich allerdings gar nicht mag, ist, wenn das dann mit auffälligem Halbwissen oder einfach Unsinn garniert wird.

Gleich im ersten Absatz schreibt er:

Neue Software, gepaart mit Breitbandkabel und simpel zu bedienenden Anwendungen, machen es möglich. Sie laden zur freien und kreativen Verwendung der digitalen Technik ein, zum Podcasten, Bloggen, Streamen, Scratchen usw.

Was Web2.0 mit Scratchen zu tun hat, muss mir einer mal erklären. Vielleicht meint er damit die Erzeugung von Tönen durch rhythmisches Hin- und Herbewegen einer laufenden Blogdiskussion mit Hilfe irgendeiner Software? Was weiß ich...

Aber wenn er schreibt:

Es mag sein, dass Schwarmintelligenzen zur Lösung von Problemen (siehe Linux) besser taugen als Individuen, geht es aber um Geschmacksurteile, sollte man sie tunlichst meiden. Man denke nur an all die unseligen "Castingshows" der letzten Jahre.

Dann gebe ich ihm ohne Einschränkung Recht, Geschmack ist keine demokratische Angelegenheit. Was er dabei vergisst: gerade Blogs sind wie dazu prädestiniert, Nischen abzudecken und Perlen zu finden, die ansonsten von den Mainstream-Medien unentdeckt ihr glänzendes, einsames Dasein fristen müssten.

Um von der Masse anerkannt und geliebt zu werden, muss man ihr nur nach dem Mund reden. Gemeinhin nennt man das Populismus.

Ich bin mir nicht sicher, wen Maresch mit der Masse meint, die der Blogs kann es eigentlich nicht sein, schließlich gibt es kein Medium, dass den Quatsch und den Blödsinn, der in Massenmedien breitgetreten wird, schneller und gründlicher als solchen bloßstellt.

...wären weder Nietzsche noch Rimbaud oder Duchamps denkbar, die die Welt mit anderen Perspektiven, Werten oder Einsichten vertraut gemacht haben. Es verwundert daher nicht, dass vor allem sie die Masse für dumm und gefährlich gehalten und sie verachtet und verspottet haben.

Warum das von Schwarmintelligenzen oder einem Verbund gleichberechtigter Individuen getoppt oder überboten werden soll oder kann, erschließt sich nicht.

Erschließt sich eben doch, Herr Maresch. Die digitale Schwarmintelligenz ist eine mit Selbstreinigungsfunktion. Schreibt wer mal Mist, so wird es entweder ignoriert oder in den Kommentaren entsprechend versorgt. Auch macht der Gute hier einen entscheidenden Fehler: gleichberechtig sind wir zwar, aber die Stimmen sind dennoch unterschiedlich laut.

Angesichts der Millionen von Wikis, Blogs und Creative Commons, die wie Pilze aus dem Netz schießen, und angesichts der Text- und Bilderflut, die sich über die User ergießt, braucht es eher virtuelle Leuchttürme, die Rückbezüge auf Personen erlauben, Qualitäten vermitteln und dem User Vertrauen und Verlässlichkeit signalisieren.

Schreibt er und suggeriert damit, dass es diese nicht gäbe. Sicher weiß er es selbst besser. Spreeblick, Don Alphonso oder Felix sind solche Leuchttürme, die sich aufgrund ihrer Besonnenheit, Anriffslustigkeit und Einzigartigkeit an die Speerspitze der deutschen Blogosphäre gesetzt haben, und zwar mit Recht. Hier werden Themen forciert oder aufgegriffen, sie fungieren als Filter dessen, was die Schwarmintelligenz jeden Tag im Netz absondert.

Natürlich kann es sein, dass ich, vor allem durch Blogs geprägt, einen besonderen Standpunkt einnehme. Vielleicht, weil ich mich weder im Heise-Forum rumtreibe noch in irgendwelchen Quotengeilen Fun-Blogs, die sich auch nicht zu schade sind, das auch von Maresch angeführte Saddam-Video zu verlinken. Vielleicht hat Maresch auch einfach den anständigen Teil des Web2.0s ausgeblendet. Obwohl er es besser wissen dürfte.

Denn wenn er schreibt:

Wer das nicht glaubt und die Probe aufs Exempel sucht, der braucht sich nur ein paar Tage in einschlägigen Foren oder Blogs aufzuhalten - auch und vor allem in den hiesigen. ... Von einer Kultur des Streitens und Debattierens ist kaum noch etwas übrig geblieben. Der Umgangston ist rüde, der Stil verroht und versaut.

Da kann ich nur annehmen, dass er sich ausschließlich im Schmuddelkeller der Blogosphäre umgesehen hat, denn solchen Umgangston habe ich in Blogs doch selten erlebt. Und wenn, dann wurde diesen Trolls dank der von Maresch kritisierten Schwarmintelligenz schnell der Gar aus gemacht.

Und dass Maresch anscheinend einfach eine vom Heise-Forum beleidigte Leberwurst ist, deutet er selbst mit seinem Schluß an:

...habe ich mich vor langer Zeit schon aus den Foren verabschiedet. Weniger, weil ich keine Lust habe, beknackte Statements emotionaler oder geistiger Tiefflieger zu lesen, sondern einfach, weil die Zeit dafür viel zu schade ist.

Nun ja, auf Mareschs Website kann man ja kommentieren, genauso wie beim Artikel selbst. Ich geh da jetzt mal ein bißchen rüäde und verroht Rumsauen.