Mit meinen Händen

24.12.2006 Misc #Storys

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Falten bemerke ich immer zuerst an meiner Hand. Ich schaue dieses Fünfenderding an meinem Arm an und denke: "Alter, vor ein paar Tagen sah das aber noch glatter aus" und drehe und wende meine Hand im Licht und betrachte sie von allen Seiten. Ganz im Gegensatz zu den Altersspuren im Gesicht. Die bemerke ich erst Jahre später, wenn sie sich schon lange eingegraben haben. So rund um die Augen, und so.

Es ist schon doof, wenn man feststellt, das dieses Mysterium des Alterns auch an einem selbst nicht spurlos vorübergeht. Dass man eben nicht dieser eine ist, den das Schicksal verschont. An meiner Hand diese Tatsache festzustellen ist eine besondere Tragödie, sagt die Frauenwelt meinen Händen doch nach, dass sie besonders hübsch anzuschauen seien.

Meine Hände. Künstlerhände. Für schwere Arbeit waren sie sich nie geschaffen, waren sich aber auch nicht zu schade dafür. Ich wuchtete Asphaltsteine mit ihnen und half meinem Vater als zwölfjähriger Knirps beim Bau unseres Hauses. Ich weiß mit ihnen einen Bleistift so zu führen, dass er gar bewundernswerte Ergebnisse auf ein Blatt Papier zaubert und weiß Gott, hätte ich je Klavierstunden genommen, vielleicht wäre ich heute Musiker.

Aber so betrachte ich meine Hände nun im Zwielicht einer kleinen Lampe, fahre mit ihnen nochmal durch mein lichter werdendes Haar und denke bei mir: "Scheiße Alter, Du wirst alt."