Ich wär gern wie Henrico Frank

22.12.2006 Misc #Society

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Aber eigentlich, ja, eigentlich bin ich ja schon wie Henrico Frank. Ich rasiere mich kaum, ich hab ne Wampe, ich trinke - und zwar gerne! - und faul bin ich auch. Und wie faul ich bin! Ich blogge lieber, als zu arbeiten und ich sehe lieber Filme, als zu bloggen. Das soll mir erst mal einer nachmachen.

Würde man mich, als ausgebildeten Schriftsetzer, Grafik- und Webdesigner in einen Raum sperren mit anderen Kreativen meiner Coleur, ich wäre derjenige, der von unbescholtenen Bürgern dank meines unrasierten Gesichts als der HartzIV-Empfänger identifiziert würde. 100 Pro!

Ganz im Ernst, ich wäre lieber der abgefuckte Loser am Bahnhof als der elitäre Schnösel mit der Financial Times. Das ist mein Ernst. Und genau die können jetzt dank hetzender Medien auf Henrico mit dem Zeigefinger zeigen und sagen: "Seht Ihr, so sind sie alle."

Und wenn sie alle so wären, die ach so schlimmen HartzIV-Empfänger. In welcher Welt leben wir eigentlich? In einer Gesellschaft müssen Faule und Arbeitsunwillige immer noch tragbar sein, ansonsten können wir uns von einer freien Gesellschaft, die Individualismus und Andersdenkende nicht nur toleriert sondern auch akzeptiert verabschieden.

Ich bin für ein Recht auf Faulheit. Ich bin für ein Recht auf die Nicht-Kommunikation, auf Verweigerung. Ich bin dafür, die Prinzipien der sogenannten Leistungsgesellschaft gehörig zu überdenken, denn eine Gesellschaft die Leistung von vornherein in irgendwelche Schemata presst, seien es Denkmuster oder Antrittszeiten, die kann von sich nicht behaupten, ganz und gar frei zu sein.

Ich stehe gerne erst um 12 Uhr mittags auf, ich verbringe meinen Tag gerne mit kreativem Quatsch und ich betrinke mich gerne ab 19 Uhr. Und deshalb wäre ich gerne wie Henrico Frank.