Sonja

10.12.2006 Misc #Storys

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Sonja war ein dickes, stilles Mädchen in irgendeiner Klasse, die ich währen der Schulzeit besuchte. Sie war wohl deshalb so still, weil sie eine unheimlich hohe Stimme hatte. Alles was sie sagte, klang wie ein Piepsen, ein schrilles, hohes Geräusch, bei dem man unweigerlich weghörte. Ganz egal, welche Worte es transportierte. Sie hatte eine dicke Brille an und ihr Mund war irgendwie ganz schief und sie hatte, das sagte ich bereits, eine unheimlich hohe Stimme.

Wir haben sie nicht beachtet. Natürlich nicht. Welcher 13jährige Bub, der im Freibad grade erst damit beginnt, die Wölbungen unter den Bikinis der Mädchen zu beachten, gibt sich mit einer Sonja ab. Ich war damals unheimlich verschossen in Melanie, die Neue. Langes braunes Haar und knallblaue Augen, und sie beachtete mich pickeligen pubertären Hänfling in keinster Weise. Vielleicht, weil meine Stimme dank Stimmbruch auch nicht so ganz astrein war. Wer weiß.

Ich habe Sonja eben wiedergesehen, als ich Zigaretten holte. Sie ging "Walken", so richtig mit Stöcken und sowas. Ihr Mund war immer noch ganz schief, aber ich glaube, sie hat gelächelt. Weil diese schreckliche Zeit damals hinter uns liegt, nehme ich an, und weil sie wahrscheinlich irgendwie glücklich geworden ist in der Zwischenzeit. Ich gönne es ihr.

Zum Glück hat sie nichts gesagt.