Das Schweigen der Gänse

03.12.2006 Misc #Storys #Xmas

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Der Bauer züchtet seine Weihnachtsgänse auf dem Feld hinter unserem Haus. Im Sommer lässt er sie dort rumlaufen, denn fliegen, das können sie nicht. Die Gänse. Sie bekommen als Küken - sagt man zu kleinen Gänsen eigentlich Küken? - Die Sehnen im Flügel durchtrennt. Nicht schön, aber so sind sie, die Bauern: nicht schön.

Die seltsame Untermieterin (sie wagte es einmal, mich um 22.00 Uhr darauf hinzuweisen, dass die Musik zu laut sei und sowas. Da war sie untendurch.) war einmal mit einem seltsamen, vollbärtigen Bauern zusammen und als sie sich trennten, fuhr der vollbärtige, seltsame Bauer mit einem Einrad vor unserem Haus hin und her. Auch nicht so schön und sehr seltsam.

Die Gänse machen eine Menge Lärm auf dem Feld des Bauern hinter unserem Haus. Sie übertönen sogar die Frösche im Teich des Nachbarn, die zu dieser Jahreszeit aber ohnehin Ruhe geben. Doch im Sommer ist das toll, eine Kakophonie aus Gänsegackern und Froschgequake umhüllt unser Haus und man fühlt sich so naturverbunden belästigt. Ist auch nicht so schön.

Wie könnte man die Geräusche beschreiben, die so eine Gans von sich gibt? Vielleicht noch am ehesten mit „schriller, umgekehrter Rülpser“ oder so. Das trifft es glaube ich ziemlich exakt. Die Gänse veranstalten ab Dezember jedenfalls ein ziemliches Bohei und rülpsen umgekehrt schrill auf dem Feld herum, als ob sie in ihrem walnußgroßen Gehirn eine Ahnung davon hätten, was sie erwartet. Schnipp Schnapp, Rübe ab. Auch nicht so schön.

Dann geben sie Ruhe, zu Weihnachten und man kann besinnlich sein ohne umgekehrtes, schrilles Gänsegerülpse. Dann schweigen sie, die Gänse. Für die Gänse ist das sicher nicht schön, aber sie schmecken mir unheimlich gut.

Rülps (vorwärtsgewandt und ganz und gar unschrill).