Krisensitzung

Soso, Herr Haeusler, Sie sind also 42 Jahre alt geworden, na dann mal herzlichen Glückwunsch nochmal auch von mir an dieser Stelle. 42, Mannmannmann, wenn man diese Zahl so hört, dann denkt man ja nicht NUR an den Hitchhiker, man denkt ja auch gleich an diesen Mythos "Midlife Crisis" - warum übrigens nicht mal mit "Mittelalterkrise"? -, klopft die schon an? Schonmal vorbeigeschaut, die olle Midlife-Crisis? Wobei mir einfällt, ich hatte ja auch schonmal so eine Krise. Job weg, Schulden an der Backe, Freundin durchgebrannt und auch sonst war alles scheiße. Eine richtige Krise eben, aber als "Midlife" darf man die mit 27 ja eher nicht nennen. Und tatsächlich hörte ich dann auch irgendwann mal von der "Quarterlife-Crisis", heutzutage muss ja allem irgendein Name draufgestempelt werden und ich frage mich bis heute, woher die wußten, dass es mir so derbe scheiße geht.

Dann kann man ja auch gleich weitermachen damit. Ich hörte mal davon, dass man so mit 13 oder 14 ja auch schon eine Krise durchmacht. Das nennt man nur nicht "Achtel-Life-Crisis" sondern "Pubertät", aber im Prinzip ist das dasselbe. Pickel sprießen im Gesicht, Haare sprießen an den unmöglichsten Stellen und man ist ziemlich schlecht gelaunt den ganzen Tag und sowieso ziemlich verwirrt, wegen der ganzen Möpse.

Und wenn man da schonmal dabei ist, dann ist ja auch der Tag der Einschulung eine ziemlich krisenbehaftete Angelegenheit. Das erste mal so richtig weg von den Eltern, überall nur andere Kinder die man zu einem großen Teil scheiße findet und in der Schultüte ist auch nicht das, was man sich erhofft hat. Einschulungskrise könnte man dazu sagen oder "Sechzehntel-Life-Crisis", wenn man ganz konsequent ist. Schon ziemlich kindisch, aber was will man denn machen? Wenn, dann zieht man das durch bis zum bitteren Ende.

Schließlich ist ja auch das Dasein als Kleinkind nicht sehr angenehm, wenn man ehrlich ist. Alle Menschen schauen einen mit dämlich aufgerissenen Augen an, machen noch viel dämlichere Geräusche, die einem für den Rest des Lebens den kompletten Wortschatz verhageln und selbst kann man sich nicht mitteilen, man muss rumschreien wenn man was will und das ist ja auch irgendwie scheiße, wenn man die ganze Zeit rumschreien muss, das ist ja auch nix. Und vorher geht's einem ja auch nicht wirklich besser, man kann ja noch nichtmal gehen und fällt ständig auf die Schnauze und deshalb macht sich die Mama Sorgen, weil das Kind nicht anständig gehen kann und das Kind macht sich sorgen, weil es ständig auf die Fresse füllt, weil das ist ja auch nix, wenn man da ständig hinfällt. Das ist dann die "Kleinkindkrise", die man auch "Zweiunddreisigstel-Life-Crisis" nennen könnte, wenn man das wollte.

Und mit der Geburt will ich ja gar nicht erst anfangen, da muss ja jeder durch, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich will gar nicht erst mit anfangen damit, weil erinnern kann ich mich da nicht dran, stelle es mir aber ziemlich eng vor: als Noch-Fötus wird man auf einmal da so ohne Vorwarnung einfach mal rausgepresst. Was da alles schiefgehen kann, man mag gar nicht dran denken. Die Geburtskrise ist das dann und man sieht: es geht gleich los mit den Krisen. Kaum auf der Welt bekommt man erstmal eine auf den Hintern verpasst, als wolle man sagen: "So Kleiner, das haste jetz davon, dass Du hier bist, und da bleibt jetzt so. Für immer". So ist das, da wird man gleich mal vorbereitet auf die ganzen Krisen, die ab jetzt im Minutentakt auf einen einprasseln, da weiß man gleich, was los ist, da macht man sich keine Illusionen mehr. Man weiß schon als Kleinkind wie der Hase läuft.

Wenn man nur ganz konsequent ist muss man also das ganze Leben als eine einzige große jämmerliche Krise bezeichnen. Die "Whole-Life-Crisis" sozusagen.

Aber weil man ja nicht immer konsequent sein muss, kann man diesen Text auch als einen Riesenhaufen Bullshit bezeichnen.

Ich geh jetzt raus spielen, kommt jemand mit?