Diesem Sizilianer müssen wir kräftig in den Hintern treten

Ich hab mich eben bepisst vor Lachen. Nicht während des lustigen Ereignisses sondern gerade eben, als ich, ein Grinsen von Ohr zu Ohr hier ins Büro stolperte und unter Lachkrämpfen die Situation schilderte, die mir 5 Minuten zuvor ganze Horizonte eröffnete. Und das ging so:

Ich stieg heute morgen, wie an jedem Arbeitstag, am Hauptbahnhof in die Straßenbahn Linie 11. Ich wählte eine freie Doppelbank, wo man um der Bequemlichkeit Willen die Füße ausstrecken kann und genug Platz hat, die Tasche auf den Boden zu stellen und durch das Fenster die morgentliche Welt zu betrachten.

Auf einmal tönte es von den Sitzen vor mir: "Diesem Sizilianer müssen wir kräftig in den Hintern treten" und zwar in einer Lautstärke, die es einem unmöglich macht, den Dialog einen Meter vor mir zu ignorieren. Die Tonlage tut ihr übriges: dort sitzt ein circa 50 Jahre alter Italiener mit kräftiger Ohrenbehaarung der den Arm um eine weinende Frau gelegt hat und redet mit italienischen Akzent und überwältigender Imbrust auf die Frau ein.

"Deine Eltern sind tot, doch sie können dich verstehen. Nur reden können sie nicht mehr. Glaubst Du an die Seele? Ich glaube an die Seele! Ich bin Dein Bruder! Die Seele deines Bruders kam vom Himmel direkt in mein Herz!"

und

"Dein Ex-Mann ist ein Miststück. Dein Ex-Mann ist ein Arschloch. Ich werde ihn umbringen, er wird dafür büßen. Ich habe schon Menschen umgebracht."

und

"Was hast Du für Probleme? Wenn wir nach Italien gehen, besorge ich Dir Tabletten. Lass den Alkohol, laß es, der stinkt. Ich kann ihn riechen, den Alkohol. Der ist tödlich. Tabletten oder Alkohol, Du musst Dich entscheiden. Nicht beides."

und

"Das ist gut." (hält eine Flasche Cola hoch) "Und Alkohol ist das Böööööse!"

Ungefähr an dieser Stelle stieg ich aus der Straßenbahn, rannte ins Büro, warf mich auf den Boden, bepißte mich vor Lachen und schrieb diesen Artikel.